Der 5G-Hub von HTC ermöglicht AR-/VR- und KI-Anwendungen per Mobile-Edge-Computing. (Bild: HTC)

Noch beschränkt sich das Angebot bei der 5G-Datenübertragung auf Testprojekte und Ankündigungen. Doch schon bald könnten die ersten regulären Netze auch in Deutschland „on Air“ sein – und die Industrie steht schon in den Startlöchern. Während der Hannover Messe 2019 zeigt sie auf der 5G-Arena aktuelle Lösungen und praxisnahe Show-Cases.

Als 2010 LTE in Deutschland an den Start ging, gab es noch kaum geeignete Smartphones oder Funkmodems. Erst 2012 kam der Hardwaremarkt auf breiter Front in Schwung. Bei 5G sieht es nun deutlich besser aus: Bereits zur CES im Januar und auf dem Mobile World Congress (MWC) im Februar stellten zahlreiche Anbieter erste Geräte vor oder kündigten diese zumindest an. Im April, auf der Hannover Messe, die eine eigene 5G-Arena eingerichtet hat, wird sich diese Entwicklung weiter fortsetzen.

Fast scheint es so, als würde sich ein Wettlauf zwischen Equipment-Anbietern und Providern entspannen, der dazu beiträgt, dass 5G schneller verfügbar sein wird als von Experten bislang erwartet.

Der Schweizer Anbieter Sunrise will mit 5G on Air gehen und Breitband-Versorgung zu Hause (Fixed Wireless Access) anbieten, beworben als „Glasfaser durch die Luft“. Nachdem in Österreich schon erste 5G-Testübertragungen stattfanden und am 7. März die aktuelle 5G-Frequenzauktion abgeschlossen wurde, könnte auch hier schon bald der Live-Betrieb starten.

Und auch in Deutschland wäre ein Start von 5G bereits im zweiten Halbjahr möglich – unabhängig von der anstehenden Auktion. Hier stehen nach dem endgültigen Wechsel von DVB-T auf DVB-T2 ab dem 23. Mai die bereits 2015 vergebenen Frequenzen im 700-MHz-Band zur Verfügung. Die Deutsche Telekom hat die baldige Nutzung des Frequenzbereichs für 5G und LTE kürzlich beantragt und Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation, kündigte noch für 2019 die ersten kommerziellen 5G-Anwendungen an.

Consumer-Bereich als Treiber: Smartphones für 5G

Im Februar auf dem Mobile World Congress standen naturgemäß Smartphones für den neuen Mobilfunkstandard 5G im Fokus des Besucherinteresses. Die Palette reicht vom Flagship- bis zum günstigen Einsteiger-Modell, zum Teil waren es auch nur Prototypen und Technik-Demonstrationen, die in Barcelona gezeigt wurden.

Eine kurze Übersicht über die Highlights und erste Erkenntnisse: Preislich absolut an der Spitze zeigt sich das Huwai Mate X mit Falt-Display. Ausgeklappt bietet es ein fast quadratisches 8-Zoll Display (Seitenverhältnis 11:10), im eingeklappten Zustand bietet es 6,6 Zoll im länglichen 19,5:9-Verhältnis. Es ist zudem das einzige Exemplar, das nicht auf dem Snapdragon-Modem X50, sondern dem Eigengewächs Balong 5000 basiert. Das Mate X soll Mitte 2019 für 2.300 € auf den Markt kommen.

Mit dem Samsung Galaxy Fold 5G haben die Koreaner ebenfalls einen Vertreter für Falt-Displays am Start, allerdings mit etwas geringeren Maßen. 7,3 Zoll im Verhältnis 16:10 beziehungsweise 4,6 Zoll bei 21:9 stellt Samsung zur Verfügung. Angekündigt für Ende des nächsten Quartals soll es rund 2.000 Euro kosten.

Daneben hat Samsung das Galaxy S10 5G mit 6,7-Zoll-Display angekündigt, eine Weiterentwicklung des bisherigen LTE-Modells, das nur 6,1 Zoll groß ist. Hier zeigt sich das Problem der frühen 5G-Modelle: Es gibt noch keine integrierten 5G-SoCs, so dass ein zusätzlicher Modemchip wie der Snapdragon X50 verbaut werden muss. Auch die Antennenmodule sind noch nicht optimiert und brauchen zusätzlichen Platz. Zudem sind größere Akkus vonnöten. So sind beim S10 5G nicht nur die Außenmaße größer – auch der SD-Kartenslot musste entfallen. Auch dieses Modell soll im kommenden Quartal erscheinen, ein Preis wurde bislang nicht genannt.

Ebenfalls eine Weiterentwicklung ist das LG V50 ThinQ, das auf dem Modell V40 beruht. Neben einem größeren Akku besitzt es auch einen schnelleren Prozessor als sein Vorgänger. Laut Hersteller könnte es Ende März auf den Markt kommen. Das tatsächliche Erscheinungsdatum ist jedoch abhängig von der Verfügbarkeit der 5G-Netze bei den Partner-Carriern, voraussichtlich Mitte des Jahres. Auch hier gibt es noch keinen Preis.

Auch das Xiaomi Mi Mix 3 5G hat einen Vorgänger ohne 5G. Hier sind die Außenmaße des 6,4-Zoll-Geräts annähernd gleich geblieben, lediglich in der Dicke hat die 5G-Variante um rund einen Millimeter zugelegt, dafür steigt die Kapazität des Akkus von 3200 mAh auf 3800 mAh. Mit 599 € soll der Verkaufspreis nur 100 Euro über dem des Vorgängermodells liegen, verfügbar ab Mai 2019.

Mit ähnlichen Daten wie das Mi Mix 3 5G gehen das ZTE Axon 10 Pro 5G und das Alcatel 7 5G ins Rennen. Mit Display von 4,5 Zoll und einem 4.000-mAh-Akku ausgestattet, werden diese ebenfalls am unteren Ende der Preisskala erwartet, wenngleich es auch hier noch keine offiziellen Angaben gibt. ZTE will Mitte des Jahres, Alcatel Ende des Jahres oder Anfang 2020 liefern können.

Die Industrie mischt früher mit als sonst

Neben den Smartphones konnte man in Barcelona bereits zahlreiche Nicht-Consumer-Anwendungen und Konzeptstudien rund um 5G erleben. Für die Industrie besonders interessant sind sogenannte Campus-Netze, also eine eigene Versorgung des Firmengeländes, unabhängig vom Mobilfunknetz der großen Provider. Die positionieren sich als Service-Anbieter für solche Anwendungen, und die Deutsche Telekom konnte mit Osram bereits einen ersten Pilotkunden vorweisen. Der Produktionsstandort Schwabmünchen, südlich von Augsburg, wird derzeit noch mit LTE betrieben und soll demnächst auf 5G umgestellt werden.

Insbesondere das Network-Slicing, das mit 5G möglich wird, steht im Fokus des Testbetriebs, der neben der Vernetzung von Sensoren und Produktionsanlagen auch die Steuerung autonomer Transportroboter umfasst. Industrie 4.0 und das industrielle Internet der Dinge (Industrial Internet of Things, IIoT) sollen von der neuen Mobilfunktechnologie profitieren.

Augmented und Virtual Reality werden profitieren

Anwendungen, die über die reine Datenübertragung hinausgehen, sehen die 5G-Pioniere zudem in der Verknüpfung von Mobilfunk mit Edge Computing, also Rechnerkapazitäten in Rechenzentren – oder sogar direkt in der Basisstation der Mobilfunkzelle. Anwendungen für Augmented und Virtual Reality, Künstliche Intelligenz und Spielegrafiken könnten dann von leistungsfähigen Rechnern übernommen werden, lediglich die Ergebnisse werden – dank geringer Latenz von 5G – fast verzögerungsfrei an den Anwender übermittelt.

Mit dem HTC 5G Hub gab es auf dem MWC dazu bereits die erste Hardware-Demonstration zu sehen. Ein schneller Grafikrechner, der an der 5G-Basisstation platziert werden kann, lieferte via Hub die Daten für eine VR-Anwendung auf ein Vive-Focus-Plus-Headset. Für aufwändige Spiele reicht die integrierte Grafik des Headsets nicht aus. Nach dem gleichen Prinzip könnten auch AR- und VR-Anwendungen in der Telemedizin oder in der Industrie, beispielsweise bei komplexen Reparaturen oder in der Fernwartung, realisiert werden.

Ebenfalls industrienah zeigte sich ZTE mit seiner 5G-Demo. Hier konnte man die Koordination von mehreren Robotern im Produktionsprozess per Edge-Computing erleben, ebenso die Mensch-Maschine-Kollaboration – wenn auch in Form einer Tanzeinlage, die in Fabrikhallen wohl eher selten vorkommt. Ebenso ist eine direkte Fernsteuerung von Robotern per Operator in 5G dank der geringen Latenz von 1 ms oder weniger praktisch ohne Verzögerung möglich. Dies dürfte vor allem Anwender in der Medizin zu neuen Anwendungen inspirieren.

Die Kooperationspartner Conti und Vodafone demonstrierten, wie sich 5G mit künstlicher Intelligenz nutzbringend verbinden lässt. Über die Auswertung der Fahrzeug-Kameradaten sowie von Bewegungsdaten aus dem V2X-Modul vernetzter Autos oder von Smartphones, die per C-V2X angebunden sind, kann eine KI die Bewegungen anderer Fahrzeuge oder auch von Passanten prognostizieren. Der Rechner, der die KI beherbergt, ist per Mobile-Edge-Computing angebunden. In Echtzeit warnt das System über 5G den Fahrer vor drohenden Gefahren und trägt so dazu bei, schwere Unfälle zu verhindern.

Fazit

5G ist keine ferne Realität mehr, sondern reif für den Marktstart. Equipment ist bereits ebenso verfügbar wie erste Ideen für die Anwendung des neuen Netzes, das gegenüber vorangegangenen Generationen einige technische Vorteile bietet. Der Anfang ist damit gemacht – doch die Vorstellung von weitere Hard- und Software für 5G wird ebenso stürmisch voranschreiten wie neue Ideen für den Einsatz in Industrie und Business entwickelt werden. Einen ersten Vorgeschmack gibt es vom 1. April bis zum 5. April auf der 5G-Arena der Hannover Messe in Halle 16.