Berlin gehört neben Bonn zu den ersten Städten, in denen die Deutsche Telekom ihr 5G-Netz starten will. (Bild: Deutsche Telekom)

Bereits im Laufe des Jahres sollen für Verbraucher die ersten 5G-Standorte in sechs Städten freigegeben werden. Parallel arbeitet die Deutsche Telekom gemeinsam mit der Industrie am Aufbau von Campusnetzen.

Bis zum Ende des Jahres sollen 300 5G-Antennen der Deutschen Telekom an 100 Standorten in sechs deutschen Städten schnellen Datenfunk ermöglichen. Wann genau der öffentliche 5G-Betrieb startet, will die Telekom allerdings noch nicht verraten. Ein möglicher Termin wäre die Internationale Funkausstellung in Berlin (ifa), die am 6. September startet. Denn auf der Leistungsschau will die Deutsche Telekom laut eigener Ankündigung weitere 5G-Tarifmodelle vorstellen. Außerdem stehen Bonn und Berlin als erste Städte für den 5G-Start fest – hier gibt es bereits Testzonen, die dann für den öffentlichen Betrieb freigegeben werden sollen.

Wermutstropfen ist jedoch: Die Abdeckung wird in in den Städten eng begrenzt bleiben. So wird in Bonn derzeit 5G lediglich an fünf Standorten betrieben, in ganz Berlin sind es zunächst lediglich 22 Antennenstandorte. Zum Vergleich: Die Bundesnetzagentur verzeichnete zum Jahresbeginn 2018 für das gesamte Gebiet des Bundeslandes Berlin 3.141 Standorte – das 5G-Angebot ist also zum Start alles andere als lückenlos.

Roll-Out-Strategie

Später im Jahr sollen vier weitere Städte folgen: Darmstadt, wo ebenfalls bereits ein Testfeld in Betrieb ist, außerdem Hamburg, Leipzig und München. Für Ende 2020 verspricht die Telekom 5G-Anbindung in den 20 größten deutschen Städten, danach soll der Ausbau dann auch in weniger besiedelten Gebieten vorangehen.

Im Zuge des Ausbaus von 4G (LTE) rüsten derzeit alle Provider ihre Sendetechnik nach, zum einen mit neuen Antennen, zum anderen mit moderneren Radio-Modulen (SingleRAN), die alle Standards von 2G bis 5G abdecken. So wurde beispielsweise die Zugspitze bereits für 5G vorbereitet. Bis zur Aufnahme des 5G-Sendebetriebs bedarf es dann allerdings noch weiterer Maßnahmen im Core-Netz der Telekom.

Um die mit den Frequenzauktionen verbundenen Auflagen zu erfüllen, müssen die etablierten Provider bis Ende 2022 jeweils 1.000 5G-Basis-Stationen erstellen. Außerdem sind bis Ende des Jahres 98 Prozent der Bevölkerung mit LTE zu versorgen, bis Ende 2022 und 2024 gelten zudem verschiedene Auflagen zum Netzausbau entlang von Straßen und Autobahnen, dem Schienennetz und Seehäfen sowie Binnen-Wasserstraßen.

Industrie wird kräftig umworben

Claudia Nemat, Vorstand der Telekom für Technologie und Innovation, versicherte, dass nicht nur das 5G-Netz für Smartphones im Fokus stehe. Gemeinsam mit der Industrie arbeite die Telekom an sogenannten Campusnetzen. Als Beispiel nannte sie die Kooperationen mit Osram am Standort Schwabmünchen und dem Automobilzulieferer ZF in Friedrichshafen.

Die Installationen beschränken sich hier im Moment jedoch auf LTE-Netze (4G). Sobald die entsprechende Technik verfügbar wird, sollen die Campusnetze auf 5G aufgerüstet werden. Die Anbieter entsprechender Infrastruktur hatten angekündigt, dass erste Produkte zunächst auf 5G-NSA (Non Stand-Alone) setzen. Hierfür ist zwingend eine 4G-Kernarchitektur notwendig, auf die 5G aufsetzen kann. 5G-SA-Technik (Stand Alone) soll erst später folgen.

Wo Campusnetze der Industrie nicht in Form von Private Networks auf Basis lokaler Frequenzen entstehen, sondern über ein öffentliches 5G-Netz der Telekom oder – wie bei Osram – als Public-Private-Kombination betrieben werden sollen, werde man den Ausbau der 5G-Versorgung entsprechend dem konkreten Bedarf der Geschäftskunden vorantreiben, versicherte Nemat.

Claudia Nemat, Vorstand der Deutschen Telekom für Technologie und Innovation

Bild: Deutsche Telekom

„Egal ob Mobilitätskonzepte in Städten, Produktion in der Industrie von morgen oder virtuelle Realität im Unterhaltungssektor: 5G ist der Schlüssel dazu. Die Industrie kann auf uns als Partner beim 5G-Ausbau zählen.“

Claudia Nemat, Vorstand Deutsche Telekom

 

Vermarktung ab sofort

Auch wenn noch gar nicht klar ist, wann das 5G-Netz tatsächlich live geht: Buchen kann man den 5G-Tarif bei der Telekom ab sofort, und mit dem Samsung Galaxy S10 5G für 800 Euro (inklusive Frühbucherrabatt) steht auch das erste Smartphone bereit,  das den neuen Mobilfunkstandard nutzen kann. Das Gerät unterstützt drei unterschiedliche 5G-Bänder: 3,6 GHz, 28 GHz und 39 GHz. Von diesen ist in Deutschland allerdings nur das erste Band bereits vergeben, das aber auch nur in Ballungsräumen zum Einsatz kommt. In der Fläche werden künftig niedrigere Frequenzen eingesetzt, die in späteren Gerätegenerationen sicherlich berücksichtigt werden.

Alternativ bietet der Magenta-Konzern auch das  Huawei Mate20 X 5G an, das 740 Euro kosten soll (inkl. Bereitstellungsgebühr). Dieses unterstützt 5G in den Bändern 3,5, 3,7 und 4,5 GHz.

Noch dreht sich mehr um Endverbraucher, als um die Industrie. Mit einer sogenannten Triple-Flat werden unbegrenzte Anrufe ins deutsche Fest- und Mobilfunknetze möglich, ohne Volumenbeschränkungen bei der Datenübertragung. Nutzer erhalten jedoch derzeit lediglich LTE, sobald 5G öffentlich verfügbar ist werden die Kunden automatisch  freigeschaltet.

Für kleinere Betriebe könnte zudem interessant sein, dass mit dem HTC 5G Hub die Telekom einen Hub für den stationären und mobilen Einsatz anbietet. Dieser bringt bis zu 20 Geräte ins 5G-Netz. Die Hardware kostet 556 Euro, der zugehörige reine Datentarif – ebenfalls ohne Volumenbeschränkung – 75 Euro pro Monat.