Julius Mennig, Leiter der Business-Unit Industrie 4.0 bei der Technologieberatung Umlaut AG: “Wichtigste Grundüberlegung für die Unternehmen ist es, sich klar darüber zu werden, was sie mit 5G eigentlich machen wollen.” (Bildquelle: Umlaut AG)

Zu Fragen wie „Sind 5G-Campusnetze ideal für den Austausch industrieller Daten?“ oder „Werden 5G-Campusnetze das Ende der Industrie-WLANs einläuten?“ hat Julius Mennig, Leiter der Business-Unit Industrie 4.0 bei der Technologieberatung Umlaut AG, eine aktuelle Einschätzung, die Hürden wie auch Chancen gegenüberstellt:

Wichtigste Grundüberlegung für die Unternehmen ist es, sich klar darüber zu werden, was sie mit 5G eigentlich machen wollen. Es lohnt sich einfach nicht, WLAN zu ersetzen, um bewährte oder klassische Anwendungen im Sinn zu behalten. Es gilt, im ersten Schritt wertschöpfende Anwendungsfälle zu identifizieren, die auf den USPs von 5G wie geringe Latenz, hoher Datendurchsatz oder sauberer Handover zwischen den Zellen fußen. Anschließend erst kann man die Entscheidung treffen, ob das Unternehmen den 5G-Campus selbst betreibt oder über Partner verantworten lässt. Hintergrund ist, dass die Anwendungen die Anforderungen an das Netz im Allgemeinen und die Komplexität der Netzarchitektur im Speziellen stark beeinflussen. Erst wenn man diese kennt, kann man entscheiden ob ein eigener Betrieb in Frage kommt. 

Ob mit Provider oder allein – es bedarf einer Lizenz mit Bedarfs- und Funknetzplanung, die in die klassischen Kompetenzfelder des Mobilfunkproviders gehören. Meines Erachtens fehlt es den klassischen Produktionsunternehmen an Kompetenzen in Sachen Mobilfunk und Aufbau und Betrieb eines Funknetzes. Die eigene Abschätzung, inwiefern man Know-how dazu aufbauen oder abgeben sollte und inwiefern man in die jeweiligen Kernprozesse über starke Partner blicken lässt, bedarf einer Grundsatzüberlegung wie anfangs auch zur 5G-Technologie erwähnt.

Der Markt für Dienstleister zur 5G-Technologie und den entsprechenden Campus-Netzwerken entsteht gerade erst. Die Frage, ob oder welche Kompetenzaufteilung ein Unternehmen für beispielsweise ein Campusnetz vornehmen muss, zeigt auch die Lernkurve einer Pilotphase für 5G-Netze, welche Hürden zu meistern sind und welche Ausschreibungen für Externe daraus entstehen. Auf Dauer wird es sich jedoch gerade für Mittelständler einfach nicht lohnen, das alles selbst zu machen, was wiederum die Türe für die Dienstleister, insbesondere bei Hardwarezulieferern, öffnet. 

Die Kosten und Aufwendungen eines Campusnetzes hängen unter anderen von der Größe der Fläche, der Beschaffenheit des Shopfloors wie Dämpfung durch Wände und Reflektion durch Metall ab. Weitere Faktoren sind Anzahl der Objekte und Anforderungen der Applikationen. Einfache Coverage in einer sehr offenen Halle kann mit wenigen Zellen erreicht werden, für herausfordernde Anwendungen wie Track & Trace mit geringer Latenz in einer Umgebung mit vielen Wänden hingegen sind potentiell eine Vielzahl von Antennen und ein lokaler Core notwendig – ergo höhere Kosten.

Die Notwendigkeit eines eigenen Cores erhöht die Kosten im Vergleich eines durch einen MNO zur Verfügung gestellten Campusnetzes nochmals, weshalb sich ein selbstbetriebenes Netz sich für KMUs wohl nicht rentiert. Ein gemeinsamer Core wäre eine Alternative, beispielsweise für einen Gewerbepark. In Aussicht sind aber auch Produkte, mit denen sich kleine Netze aufbauen lassen. Wichtig ist jedoch – und da bin ich wieder am Anfang meiner Aussage – welche Ziele man verfolgt. Im Fokus steht das Campusnetzwerk, auch wenn oft vom 5G-Campusnetz die Rede ist. Ich denke dabei an eine 5G-Frequenz mit 4G-Technologie, je nach Anforderung und Zweck.

(Autor: Julius Mennig, Redaktion: Paul Kho)