Teilnehmer einer Umfrage von FUENF-G zeigen sich als sehr aktive Unternehmen. (Bild: FUENF-G)

Eines dürfte sicher sein: Die Corona-Krise hat auch die Entwicklung von 5G in der Industrie nicht  gerade beschleunigt. Der Dämpfer für die Erwartungshaltung nimmt aber gleichzeitig etwas Druck aus den Entwicklungsabteilungen, sofort fertige Lösungen liefern zu müssen. Aus einer Umfrage von FUENF-G wird dennoch deutlich, wie hoch der Stellenwert der Technologie für die Branche ist.

Eines vorab: Als hätte sich die Community abgesprochen haben bislang – passend zum Thema 5G – lediglich 5 Teilnehmer die Umfrage von FUENF-G vollständig beantwortet. Statt sie auf dem Server verstauben zu lassen, veröffentlichen wir die Ergebnisse dennoch, – immerhin gehören die Teilnehmer zum namhaften und aktiven Teil der Community und den Treibern des technischen Fortschritts in Sachen 5G. Und man spricht aus Erfahrung: Jeder betreibt mindestens ein aktuelles 5G-Projekt, ein Teilnehmer sogar mehr als zehn.

„Echter Start“ von 5G in Sicht

Die Corona-Krise hat nicht nur unsere Umfrage in Tiefschlaf versetzt, sondern auch viele Prioritäten in fast jedem Unternehmen und jeder Abteilung neu sortiert. Zu Jahresbeginn waren die verfügbaren Produkte für Industrie-/Enterprise-Anwender rar gesät. Das hat sich jetzt, ein halbes Jahr später, nicht wesentlich geändert. Manche Journalisten-Kollegen, wie die von Markt und Mittelstand, werden schon nervös und schreiben despektierlich von einem „reinen Wunschdenken der Technologie-Apostel.“ Die Teilnehmer unserer kleinen Umfrage jedoch warben schon zu Beginn des Jahres um Geduld. Ein relevantes 5G-Produkte-Angebot und ein „echter Start“ von 5G wurde erst für das Jahr 2021 prognostiziert, manch einer sprach von einem nennenswerten Start sogar erst im Jahr 2022.

Als sehr große Chance sehen die Teilnehmer hingegen geschlossen die Möglichkeit der Campus-Netzwerke in Deutschland. Aufgrund der Unabhängigkeit, die mit ihnen verbunden ist, böten die ‘privaten’ Netze einen echten Vorteil im internationalen Wettbewerb.

„Campus-Netze sind essenziell als eine relevante und wichtige Vernetzungsoption für Industrie-Teilnehmer, die bestimmte Kritierien sichergestellt haben wollen. Campus-Netze werden im Verbund mit der Option Segmente aus öffentlichen Netzen zu nutzen ein wichtiger Treiber sein, 5G für industrielle Zwecke zu etablieren.“
Teilnehmer der FUENF-G-Umfrage

Andere sehen das von den Regulierungsbehörden zur Verfügung gestellte Spektrum für einen lokal begrenzten Raum (z.B. für ein Fabrikgelände oder einen Industriepark) als Garant für eine erhöhte Zuverlässigkeit für den Betrieb eines eigenen Netzwerkes. „Insofern spielen Campus-Netzwerke, wenn sie unter gegebenen wirtschaftlichen Randbedingungen effizient aufgebaut werden können, eine wichtige Rolle bei der Einführung von 5G für die Industrie“, gibt der Teilnehmer zu Protokoll.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die mit der Ausnahme von Pilot-Projekten in Deutschland, Europa, China die Campus-Netzwerke im Vergleich zu den traditionellen 5G-Netzwerken sehr viel später in der breiten Anwendung erwarten. Die Gründe dürften in der noch fehlenden Lieferfähigkeit liegen: „Aus meiner Sicht ist das Interesse an den Lizenzen niedriger als ursprünglich erwartet. Der Hauptgrund ist der Mangel an 5G-Systemtechnik und Geräten, die im relevanten Spektrum (3,7 bis 3,8 GHz)  arbeiten.“

Zudem sei positiv anzumerken, dass in Deutschland der Frequenzantrag einfach ist. Infrastruktur-Fragen im Sinne der Technik würden aber noch nach weiterer Definition bzgl. einer standardisierten Lösung (3GPP Releases) verlangen. Die Entscheidung privates vs. öffentliches Netzwerk hänge nicht zuletzt von der Größe des Betreibers ab, und der Frage, ob er sich Aufbau und Betrieb eines eigenen 5G-Netzes wirtschaftlich überhaupt leisten könne.

Einsatz-Schwerpunkte von 5G

Die technischen Möglichkeiten des 5G-Mobilfunkstandards in öffentlichen oder privaten Netzen sind das eine, die innovative Umsetzung in Anwendungen das andere. Welche Lösungen oder Einsatzszenarien von 5G sehen die Experten an vorderster Stelle?

Grundsätzlich sagen die Teilnehmer, dass die digitale Transformation eine erhöhte Flexibilität und Effizienz ermöglicht, im Besonderen durch die zuverlässige Erhebung von prozessrelevanten Daten an jeder erforderlichen Stelle und zu jedem erforderlichen Zeitpunkt. Diese Erhebung und Verarbeitung von Daten, verbunden mit der Flexibilität, physikalische Produktionslinien individuell konfigurieren zu können, sind entscheidend für den Erfolg von 5G-Projekten. Konkret benennen sie folgende Anwendungen als entscheidende Triebkräfte:

  • Fertigungsautomatisierung;
  • Steuerung von fahrerlosen Transportsystemen (AGV);
  • Ersatz redundanter Technologien (RFID, UWB, WLAN, LTE, oder auch die interne Telefonie etc.);
  • Mensch/Maschine-Kollaboration;
  • digitale Zwillinge;
  • Fernsteuerung;
  • modulare Automation;
  • Datenerfassung von Altanlagen;
  • intelligente Sensorik.

Projektpartner gesucht

Als wichtigste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt sehen die Umfrage-Teilnehmer die Frage, ob sowohl kurzfristige als auch mittel- bis langfristige Anwendungsfälle ausreichend gut definiert und skizziert werden können. Die Herausforderung bestünde darüber hinaus darin, die richtige (wirtschaftlich optimale) Technik/Infrastruktur auszuwählen, diese in die bestehende Infrastruktur zu integrieren und sich das Wissen über die Fähigkeiten, aber auch die Grenzen der 5G-Technik anzueignen. All dies sei aber nur erfolgversprechend, wenn auch die Geschäftsprozesse angepasst würden, um zeitnah den ‘Return on Invest’ für die implementierte Lösung, zu realisieren.

„Es braucht Projektpartner mit guten Verbindungen in die noch rar gesäte 5G-Welt. Ohne Unterstützung wird es vielen KMUs schwer fallen, ein Projekt aufzusetzen.“
Teilnehmer der FUENF-G-Umfrage

Darüber hinaus spielen Selbstverständnis und das Verständnis, welche Möglichkeiten 5G für individuelle Industrieteilnehmer bedeuten und ermöglichen kann, eine erfolgskritische Rolle, genauso wie die Frage, welche Rolle im Öko-System und Aufbau einer adäquaten Wertschöpfungskette 5G spielt. Weitere Fragen lauten: Wer baut das Netz, wer betreibt das Netz? Welche Kompetenzen sind im Betrieb vorhanden? Was muss gewährleistet werden, damit kritische Daten geschützt sind?

Als größte Herausforderungen sehen die Teilnehmer

  • Verfügbarkeit von 5G-Systemtechnologie;
  • Verfügbarkeit von Geräten, die im relevanten Frequenzband arbeiten;
  • Mangel an Allgemeinwissen über 5G;
  • fehlende Anwendungsfälle.

Um der letztgenannten Herausforderung zu begegnen, freut sich das Redaktionsteam von FUENF-G auch über Ihr Projekt in Sachen 5G berichten zu dürfen. Schicken Sie uns Ihr Testfeld, Ihre Anforderungen oder auch die Fragen oder Gründe, die dazu führen, dass Sie noch nicht in konkrete Projekte starten konnten. Und wenn Sie Zeit und Lust haben, ergänzen Sie die hier ausgewertete Umfrage, wir halten Sie noch eine Weile offen, bevor wir uns mit neuen Fragen an Sie wenden. Wir freuen uns auf Ihr Feedback – gern auch direkt im Kommentarfeld.