In zwei Schritten startete das 5G-Netz für O2-Kunden in Deutschland (Bild: Telefónica)

Nach Vodafone und Telekom hat nun auch der dritte Mobilfunkbetreiber sein 5G-Netz gestartet. Die weiteren Ausbaupläne sind jedoch zurückhaltender als bei den Wettbewerbern.

Pünktlich zum dreißigsten Jahrestag der deutschen Einheit nahm Telefónica sein 5G-Netz in Betrieb. Im ersten Schritt hat die O2-Mutter das 5G-Netz mit 150 Antennen im 3,6-GHz-Bereich in den fünf größten Metropolen Deutschlands aktiviert:

  • Berlin
  • Frankfurt
  • Hamburg
  • Köln
  • München

Nach wenigen Tagen kamen zehn weitere Städte hinzu:

  • Bochum
  • Bonn
  • Dortmund
  • Düsseldorf
  • Essen
  • Mannheim
  • Münster
  • Nürnberg
  • Potsdam
  • Stuttgart

In Berlin war Telefónica bereits seit März 2020 mit einer 5G-Indoor-Campuslösung aktiv. Das „Basecamp“ in Berlin Mitte ermöglicht es interessierten Unternehmern und Verbrauchern, die 5G-Mobilfunk-Technologie vor Ort auszuprobieren. Doch auch nach dem nun erfolgten Start des öffentlichen 5G-Netzes wird jeweils nur ein kleiner Teil des Stadtgebiets abgedeckt. Die konkrete Verfügbarkeit ist derzeit noch nicht ersichtlich. Die Kartenansicht zur Netzabdeckung auf der O2-Website wird derzeit noch überarbeitet und soll ab dem 3.11.2020 auch den Stand des 5G-Ausbaus darstellen, teilte der Provider mit.

Die weiteren Ausbaupläne

Markus Haas, CEO von Telefónica Deutschland, kündigte an, die Zahl der 5G-Antennenstandorte bis Ende 2021 auf über 2.000 steigern zu wollen. Ausdrücklich sollen nicht nur Städte, sondern auch der ländliche Raum von diesem Ausbau profitieren. Dort wird der Netzbetreiber nicht die neu ersteigerten 5G-Frequenzen nutzen, die nur relativ kleine Zellen ermöglichen und deshalb ein engeres Mastennetz benötigen. Sondern bisher für 3G genutzte Frequenzen im Bereich 2,1 GHz mittels Dynamic Spectrum Sharing (DSS) sukzessive für 5G umwidmen. Später kommen auch Frequenzen im 800-MHz- und 1,8-GHz-Band zum Einsatz.

Bis Ende kommenden Jahres würden dann 30 Prozent der Bevölkerung über 6.000 Antennen mit 5G versorgt, mit dem weiteren Ausbau bis Ende 2022 soll bereits die 50-Prozent-Marke überschritten werden. Bis dahin plant der Provider mit Investitionskosten von 4 Mrd. Euro. Spätestens im Laufe des Jahres 2025 strebt Telefónica eine Vollversorgung des gesamten Bundesgebietes an.

Zu Beginn bietet das 5G-Netz von Telefónica eine maximale Datenrate von 300 Mbit/s. Dies sei derzeit branchenüblich, so der CEO. Mit dem weiteren Ausbau des Netzes soll dieser Wert künftig steigen. In der Spitze seien bis zu 20 GBit/s möglich, kündigte Haas an. Dank kürzerer Reaktionszeiten werde sich 5G in Richtung Echtzeitkommunikation entwickeln und beispielsweise bei Augmented und Virtual Reality (AR/VR) sein volles Potenzial ausspielen.

Partner der Industrie

Das moderne Netz werde der Industrie und mittelständischen Unternehmen zudem neuen Schwung für moderne Produktions- und Logistikprozesse und das Internet der Dinge geben. Durch den verstärkten Einsatz von Cloud Computing und Virtualisierung werde zudem der Aufbau von 5G-Campus-Netzen für die Industrie deutlich vereinfacht. Markus Haas sieht darin einen riesigen Effizienzhebel für die Wirtschaft, denn mit der Cloud-basierten 5G-Vernetzung von O2 könnten Unternehmen künftig ihre Produkte schneller und kostensparender in den Markt bringen und ihre Profitabilität steigern.

Telefónica positioniert sich als Partner zur Einrichtung maßgeschneiderter 5G-Vernetzungslösungen, beispielsweise für Industrie 4.0 mit digitalen Fabriken, für intelligente Energienetze oder das vernetzte Fahren. Als Referenz dient die „Factory 56“ von Mercedes-Benz Cars in Sindelfingen, wo ein O2-5G-Campusnetz die Produktionsanlagen des Automobilherstellers in Echtzeit vernetzt.

Smartphone-Tarife

Die Nutzung des 5G-Netzes ist für Privatkunden nach Angaben des Unternehmens in allen O2-Free-Tarifen ab knapp 40 € Monatspauschale ohne weitere Aufschläge enthalten. Die Option muss allerdings erst im Kundenportal aktiviert werden. Für Geschäftskunden hat Telefónica bislang lediglich Tarifmodelle auf seiner Website, die bis LTE reichen. Inzwischen sind auch die Businesstarife für 5G aktualisiert. Die „O2 Business Unlimited“-Angebote starten bei 17,50 Euro im Monat.