Geduld, Geduld, könnte man meinen, sei derzeit der notwendigste Ausruf zum Thema 5G. „Die Technologie ist doch noch gar nicht verfügbar und ihr fragt schon, wann sie den Vorgänger abgehängt haben wird?“, lautet nicht selten die leicht anklagende Frage. Der Beitrag zeigt, wie Marktforscher die Geschwindigkeit beim 5G-Ausbau einschätzen.

Es ist eine neue Technologie, die das Potenzial hat, mit einem Rundumschlag sämtliche Lebensbereiche des modernen Menschen zu verbessern. Das zumindest könnte man meinen, wenn man die Vorteile der 5G-Technologie Revue passieren lässt: Übertragungsgeschwindigkeit, Latenzzeiten und Kapazitäten scheinen keinen Wunsch in der drahtlosen Kommunikation mehr offen zu lassen. Anwendungen wie das autonome Fahren, kollaborativ/autonome Roboter oder medizinische Analyse & Heilung schwingen auf einer Wellenlänge mit Big-Data-Analysen in Industrie-Prozessen oder der Steuerung komplexer Maschinen. Da verwundert das Marktforschungsunternehmen Deloitte etwas, das in Form eines Zukunftspapiers eher auf die Bremse zu treten scheint. Das Papier thematisiert Medien und Telekommunikation und geht auch auf 5G ein. Allerdings nicht ohne immer wieder auf den Vorgänger 4G bzw. LTE zu sprechen kommen. Der Tenor: Wenn es so wird wie bei 4G, dann wird es dauern mit dem Ausbau des 5G-Netzes.

Das liebe Geld steht am Anfang

Es fängt schon beim lieben Geld an. Während die Einen in Deutschland warnen, die Netzbetreiber sollten nicht so horrende Summen an den Bund zahlen müssen, sondern lieber das Geld zum Investieren in die Netzstruktur ausgeben dürfen, hoffen die Anderen auf einen neuen Geldregen für den Staatshaushalt. Deloitte schaut derweil zurück und zieht die voran gegangenen Auktionen als Maßstab hinzu. 

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Bei 5G erwarten die Experten bei der Versteigerung der Lizenzen in Deutschland ein ähnliches Niveau wie beim Vorgänger. Dazu verglichen die Marktforscher Länder, die weiter sind als Deutschland. Das Ergebnis: Es scheint, als wären die Preise (Kosten pro MHz pro Person, MHz pop) beim 5G-Spektrum sehr vergleichbar zum 4G-Spektrum. Alle betrachteten Auktionen, von Süd-Korea über Großbritannien, Spanien und Irland bis hin zu Lettland spielten sich (teilweise deutlich) unter 20 Dollarcent MHz pop ab. Doch Ausreißer Italien zeigt, dass es auch anders gehen kann: Beim 700-Mhz-Spektrum schlugen 65 Dollarcent MHz pop zu Buche beim 3,6 – 3,8-GHz-Fequenzband1 immerhin 42 Dollarcent MHz pop – doppelt so viel als erwartet. Hier wird der Widerspruch offensichtlich, denn jeder Markt besitzt ein unterschiedliches Ausgangsniveau, Mobil/Kabel-Verhältnis und Marktstruktur.

Return-of-Invest

Bei den hohen Kosten für die zukünftigen 5G-Netzbetreiber stellt sich zudem die Frage nach dem Return-of-Invest. Eine Antwort suchend, richtet sich der Blick bei den Marktforschern wieder auf das bestehende LTE-Netz: Wie schnell werden sich Anwender und Industrie auf die neuen Möglichkeiten und Geschäftsmodelle einlassen und höhere Preise bezahlen? Wenn es bei 5G genauso langsam geht, wie beim Vorgänger, bis mehr als 50% die neue Technik nutzen, wird 5G noch lange das Etikett „Nischentechnologie“ tragen, sind sich die Experten sicher. 

Die GSMA (Groupe Speciale Mobile Association), Interessenvertretung der Mobilfunkbetreiber weltweit, gibt ihnen Recht. Wie sie errechnet hat, werden bis zum Jahr 2025 gerade einmal jede siebte Verbindung eine 5G-Verbindung sein. Während 4G mit mehr als drei Milliarden Verbindungen erst noch seinen Zenit vor sich hat, schätzt der Verband bis zum Jahr 2025 1,2 Milliarden 5G-Verbindungen weltweit – übrigens nicht mit Deutschland unter den Top drei Ländern. China, USA und Japan werden demnach die Spitzengruppe der Early Adopter anführen. 

Im Falle der GSMA-Einschätzung ist die pessimistische Prognose jedoch nicht mit einer Geringschätzung der Technologie und ihren Möglichkeiten verbunden. Im Gegenteil: Auch die GSMA sieht in 5G den Enabler für viele aufstrebende Technologien, wie Künstliche Intelligenz, Internet-of-Things oder erweiterte Datenanalyse. 

Das Poker-Face aufsetzen

Herbert Blum et al von der Strategieberatung Bain & Company zitieren in ihrem Beitrag wie zurückhaltend eine (knappe) Mehrheit von Netzwerkbetreibern weltweit gegenüber dem Thema 5G sind. Einem Ja zum langfristigen Nutzen stehe der deutlich geäußerte Zweifel am Vorhandensein kurzfristiger konkreter Anwendungsfälle gegenüber. Ob diese Manager hier mit offenen Karten gespielt haben, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlicher ist, dass sie eher den Preis sicherheitshalber vorab etwas drücken wollen, indem sie den Nutzen von 5G klein reden. Beweisen lässt sich das erst, wenn die Karten mit den Geboten auf dem Tisch liegen. 

Fazit:

Bei dem riesigen Potenzial, das nicht nur moderne Konsumgewohnheiten wie Video-on-Demand, Video-Konferenzen etc. heute schon für die Betreiber beinhalten, sondern auch zukünftige Top-Trends wie Augmented- oder Virtual-Reality-Anwendungen oder neue Anwendungen der Spieleindustrie steht allein im B2C-Marktsegment ein enormes Potenzial zur Verfügung. Zumal die Konsumenten gezeigt haben, dass sie bereit sind, für Bandbreite und Datenvolumen zu bezahlen. Hinzu kommt aber das Erschließen des riesigen Marktes der industriellen Anwendungen. Hier tun sich neue, saftige Weidegründe auf, die es lohnen, dem Rennpferd die Sporen zu geben.

1 Zum Verständnis: Niedrige Frequenzen haben eine höhere Reichweite und dringen leichter in Gebäude ein. Somit sind sie so etwas wie die Filetstücke des Spektrums, daher sinkt mit steigender Frequenz der Wert MHz pop. 

Quellen