Amazon will sich als Lieferant privater 5G-Campusnetze etablieren.  (Bild: Amazon)

Geklickt, gezahlt, geliefert – Online-Shopping ist wirklich einfach. Online-Riese Amazon bietet nicht nur physische Produkte von Bettwäsche über Lebensmittel bis hin zum kompletten Server an, sondern auch Cloud-Services aller Art unter seiner Marke AWS (Amazon Web Services). Doch nun hat sich der Konzern vorgenommen, beides zu kombinieren: Private 5G-Netze soll es demnächst ebenfalls quasi auf Knopfdruck geben. In den USA ist der Service als „Preview“ bereits verfügbar.

CEO Adam Selipsky nutzte das Technologie-Event AWS re:Invent in Las Vegas, um einen neuen Services vorzustellen: AWS Private 5G. Dabei handelt es sich quasi um ein 4G/5G-Campusnetz „out of the Box“, das Unternehmen bei der Amazon-Cloud-Tochter bestellen und innerhalb weniger Tage in Betrieb nehmen können, so das Versprechen.

Abrechnung wie ein Webservice

Die Amazon-Ankündigung suggeriert, dass die Bestellung eines vollständigen Campus-Netzes genauso einfach ist wie beispielsweise die Buchung einer Website oder eines Telefonanschlusses. In der AWS-Konsole können demnach Kunden mit nur wenigen Klicks angeben, wo das Netzwerk entstehen soll und welche Netzwerkkapazitäten benötigt werden. AWS ermittelt daraus, welche Hardware benötigt wird und liefert dementsprechend Kleinzellenfunkgeräte, Server, Software für den 5G-Core und das Funkzugangsnetz (Radio Access Network, RAN) sowie die SIM-Karten zum Verbinden der Geräte.

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Das Netzwerk wird aus der AWS-Cloud vollständig gemanaged, das Einrichten und die Bereitstellung sind weitgehend automatisiert. Zudem soll es so einfach möglich sein, das Campusnetz bei Bedarf schnell zu skalieren. Die Abrechnung erfolgt im Pay-per-Use-Modell, sprich: es fallen keine Vorabgebühren oder Kosten pro Gerät an, sondern die Kunden zahlen für die bereitgestellte Netzwerkkapazität und den angeforderten Durchsatz.

Weniger eigene Skills nötig

Das Konzept AWS Private 5G in der schematischen Darstellung (Bild: Amazon)

Das Konzept AWS Private 5G in der schematischen Darstellung (Bild: Amazon)

Konzeption, Planung und Realisierung eines eigenen 5G-Campusnetz sind bislang ein zeitaufändiger Prozess. Viele Unternehmen haben zudem nicht das nötige Know-how im Haus, so dass sie auf externe Unterstützung durch Partner angewiesen sind. Das können zum einen die großen Netzbetreiber sein, die sich inzwischen alle mit Kooperationsangeboten an die Industrie wenden, um mit unterschiedlichen Modellen Private und Public Networks zur Verfügung zu stellen. Das können aber auch Dienstleister sein, die mit ausgewiesener Kompetenz im Bereich kabelloser Netzwerke die Unternehmensnetzwerke um 5G-Fähigkeiten erweitern.

Hier springt Amazon in die Bresche und bietet an, die Kunden weitgehend zu entlasten. Sie müssten nicht erst viel Zeit, Geld und Mühe investieren, um ihr Netz für die erwartete Spitzenkapazität zu konzipieren und Software- und Hardwarekomponenten von mehreren Anbietern zu beschaffen und zu integrieren. Bei Bedarf kann ein zertifizierter Techniker die Installation vor Ort übernehmen.

Bild: Amazon

Bild: Amazon

„Sie erhalten alle Vorteile der mobilen Technologie ohne lange Planungszyklen, komplexe Integrationen und hohe Vorlaufkosten. Sie sagen uns, wo Sie Ihr Netz aufbauen möchten und geben die Netzkapazität an. Wir liefern Ihnen die gesamte benötigte Hardware, die Software und die SIM-Karten.“

Adam Selipsky, CEO Amazon Web Services (AWS)

Zudem verwies Selipsky auf das Kostenmodell zahlreicher Netzbetreiber, das die Kosten an die Zahl der eingesetzten SIM-Karten bindet. Dies mache es für Anwendungsfälle mit Tausenden von verbundenen Geräten unerschwinglich. Dem stehe das „vertraute On-Demand-Cloud-Preismodell“ von AWS gegenüber.

Die Technik dahinter

Bislang ist der Service rein auf die USA beschränkt, und auch hier nur als Preview ausgewiesen (siehe Anmeldeseite). Mittelfristig soll das Angebot aber auf weitere Märkte ausgerollt werden.

Die jetzt eingesetzten Funkzellen nutzen die US-CBRS-Bänder mit einem Mobilfunkkern, der in einem regionalen AWS-Rechenzentrum gehostet wird. Alternativ kann der Kern lokal auf einem Server betrieben werden mittels AWS-Outpost-Services. Die CBRS-Frequenzen müssen gemäß der Vorschrifte in den USA mittels eines Spectrum Access System (SAS) verwaltet werden, wofür AWS mit einem SAS-Anbieter kooperieren muss. Wer dies sein wird, ist bislang noch nicht bekannt.

Auch wenn der Service noch nicht vollständig live ist, blickt AWS bereits in die Zukunft und stellt eine Erweiterung der Auswahloptionen sowohl beim 5G-Core wie bei den RAN-Komponenten in Aussicht. Immer mehr Anbieter würden ihre Funktechnik und die Betriebssoftware auf der AWS-Plattform testen, darunter Nokia, Ericsson, Cisco, Mavenir und Altiostar (Rakuten-Symphonie). Zudem werde der Service nicht auf das CBRS-Spektrum beschränkt bleiben, sondern auch weitere Frequenzen nutzbar machen, inklusive lizenzierter Bänder. Damit könnte sich Amazon möglicherweise auch als Partner für kleinere Kommunikationsdienstleister (CSPs) positionieren.

Zweifel bleiben

Das Angebot klingt zunächst einmal verlockend, doch wer sich mit drahtloser Datenkommunikation befasst, wird auf ungelöste Fragen stoßen. So ist beispielsweise eine zuverlässige Ausleuchtung des Firmengeländes eine der kniffligsten Aufgaben bei der Installation eines Campusnetzes – egal b es auf 4G/5G basiert, auf WLAN oder einem anderen Funkstandard. Doch in den bisherigen Ankündigungen spart Amazon dieses Thema aus.

Wir möchten daher unsere Leser fragen: Was glauben Sie, kann eine „Out-of-the-Box“-Lösung gelingen? Wird Amazon mit seinem AWS Private 5G einen relevanten Beitrag leisten können, die Verbreitung von 5G-Campusnetzwerken zu beschleunigen? Wo könnte das vielleicht gelingen – und wo stößt ein solches Konzept an seine Grenzen? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge! Schicken Sie uns Ihre Meinung unter redaktion@fuenf-g.de oder nutzen die Kommentarfunktion unter diesem Beitrag.

Tipp: Wie Sie Ihr eigenes Campusnetz mit Hilfe unseres 5G-Evaluation-Kits ganz einfach testen und bauen können, erfahren Sie auf dieser Landingpage.