Eine der 5G-Zukunftsanwendung könnte ein Kollisionskurs-Warndienst sein. (Bild: Telefónica)

Telefónica Deutschland nutzte den ITS World Congress in Hamburg, um Anwendungen des neuen Mobilfunk-Standards aus verschiedenen Branchen, wie Industrie und Verkehr, zu zeigen – sogar über Netzgrenzen hinweg.

Mitte Oktober trafen sich Expert:innen aus der Mobilitäts-, Logistik- und IT-Branche in Hamburg zur internationalen Branchenveranstaltung im Bereich der intelligenten Transportsysteme und -services, dem ITS World Congress 2021. Telefónica nutzte die Gelegenheit, einige Anwendungsfälle aus dem Verkehrssegment vorzustellen. Aber auch Use Cases rund um Industrie 4.0 präsentierte der Mobilfunk-Provider auf seinem Stand.

Kollisionswarnung ohne Netz-Kollisionen

Abseits der Zukunftsvision vom selbstfahrenden Auto kann die Digitalisierung des Verkehrs auch heute schon die Fahrer:innen mit allerlei Assistenzsystemen unter die Arme greifen. Künftig könnte dazu auch die Kollisionswarnung dienen, bei der sich Fahrzeuge und andere Verkehrsteilnehmer gegenseitig warnen. Dass es auch über die Grenzen des eigenen Netzes hinweg möglich ist, mittels 5G einen Kollisionswarndienst mit Echtzeit-Kommunikation zu betreiben, demonstrierten Telefónica und Deutsche Telekom, gemeinsam mit ihren Partnern, dem Auto-Zulieferer Continental sowie MobiledgeX, einem Betreiber einer Edge-Cloud-Systemplattform. Entscheidendes Kriterium der erfolgreichen Vernetzung sind stabile und feste Latenzzeiten, obwohl die verschiedenen Verkehrsteilnehmer:innen in unterschiedliche Mobilfunknetze eingebucht sind.

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5G-Campusnetze und Industrie-Anwendungen

Wie Roboter sicher gesteuert werden können – auch über 5G – war eines der Themen von Telefónica auf dem ITS World Congress. (Bild: Telefónica)

Wie Roboter sicher gesteuert werden können – auch über 5G – war eines der Themen von Telefónica auf dem ITS World Congress. (Bild: Telefónica)

Ein zweiter Showcase war ein vollständig privates 5G-Campusnetz, das Telefónica gemeinsam mit Ericsson päsentierte. Kernnetz, ein umfassendes Benutzermanagement und ein Funknetz, das vollständig vom öffentlichen Mobilfunk-Netz isoliert ist, sind die wesentlichen Elemente. Der Mobilfunkbetreiber verweist auf seine Flexibilität hinsichtlich der Netzarchitektur, des Betriebsmodells sowie der Anwendungsfälle innerhalb eines Campus-Netzes. So können man individuelle Betriebsmodelle realisieren und das Netz auf die jeweiligen Kundenanforderungen optimieren.

Dabei hat Telefónica das 5G-Kernnetz für private Netze in die Cloud verlegt. Damit werde die Einrichtung von 5G-Campusnetzen vereinfacht, die Einführung neuer Industrie-Anwendungen beschleunigt und die Zeit bis zur Markteinführung neuer Produkte und Anwendungen verkürzt.

Innerhalb dieses Campusnetzes zeigte der Netzbetreiber gemeinsam mit dem Unternehmen CGI eine Augmented-Reality-Anwendung (AR), in dem die neueste Generation von AR-Brillen für den geschäftlichen Einsatz zu sehen war, mit denen das Fachwissen lokaler Experten digital ergänzt werden kann. Solche AR-Brillen kommen in vielen Industrie-Bereichen zum Einsatz, von der Fertigung, etwa in der Automobil-Industrie, bis hin zum Gesundheitswesen.

Quelle: Telefónica

Bild: Telefónica

„Telefónica bietet weit mehr als Vernetzung und Konnektivität. Wir verstehen uns als Lösungspartner für unsere Kunden. Unsere Mobilität wird in Zukunft nachhaltig und vernetzt sein. Deshalb nehmen wir auch an der ITS Messe in Hamburg, Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme, teil: Verkehr, Logistik und IT gehören heute eng zusammen, sowohl im öffentlichen Bereich wie auch für firmeninterne Prozesse.“

Karsten Pradel, Director B2B bei Telefónica Deutschland / O2

Ein weiterer Aspekt war die sichere Steuerung von Robotern über das 5G-Netz. Telefónica bietet nach eigenen Angaben für solche Zwecke 5G-Campus-Lösungen, die den höchsten Sicherheitsstandards entsprechen sowie das nötige Know-how, um auch jenseits der Konnektivität das Thema Cyber-Security abzudecken. In jedem Produktionsnetzwerk existieren auf der Anwendungsseite verschiedene Verbindungsebenen zwischen Robotern und verschiedenen Systemen, beispielsweise für Wartung und Konfiguration, die risikobehaftet sein können. Um mögliche Lücken abzudichten gilt es, sowohl die üblichen Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten als auch die zusätzlichen Möglichkeiten de 5G-Standards sinvoll zu nutzen, wie etwa Network Slicing. Wie das geht zeigte Telefónica gemeinsam mit Alias Robotics.

Weiteres 5G-Lab im Aufbau

Im Wayra 5G Tech Lab in München entwickeln Start-Ups und Gründer:innen innovative 5G-Anwendungen verschiedenster Bereiche. (Bild: Telefónica)

Im Wayra 5G Tech Lab in München entwickeln Start-Ups und Gründer:innen innovative 5G-Anwendungen verschiedenster Bereiche. (Bild: Telefónica)

Abseits des ITS World Congress wird Telefónica künftig einen Beitrag zur Digitalisierung in der Hansestadt leisten. Der Mobilfunkprovider kooperiert mit Dataport, dem IT-Dienstleister für die öffentliche Verwaltung, bei der Einrichtung eines 5G-Labor ein. Hier werden künftig spezielle 5G-Anwendungsfälle für die Hamburger Wirtschaft und Verwaltung getestet. Das Labor werde es allen Nutzerinnen und Nutzern ermöglichen, ihre Digitalisierungsprozesse weiterzuentwickeln und die neuesten Entwicklungen bei 5G und seinen Anwendungen für öffentliche und private Netzwerke in einer sicheren Umgebung zu verfolgen, kündigten die beiden Partner an.

Im Frühjahr hatte Telefónica bereits ein eigens 5G Tech Lab in München eröffnet. Wayra, der Open Innovation Hub des Telekommunikationskonzerns (Website), stellt hier ein Campusnetz mit modernster 5G Standalone-Technologie zur Verfügung. Mit 100 MHz Bandbreite im 3,7-GHz-Bereich zeichnet sich das 5G-Lab-Netz durch minimale Latenzzeiten und hohe Datenraten aus. Folgende Schwerpunkte liegen besonders im Fokus:

  • Industrie 4.0 / Industry of Things (IoT)
  • Drohnen
  • Robotik
  • Virtuelle Realität
  • Data Analytics
  • Künstliche Intelligenz
  • Machine Learning
  • Prozessautomatisierung
Quelle: Telefónica

Bild: Telefónica

„Mit dem neuen 5G Tech Lab stellen wir sicher, dass wir zusammen mit unserem Innovation Hub Wayra bei der Entwicklung neuer 5G-Anwendungen und Geschäftsmodelle ganz vorne mit dabei sind. Dieses Investment zahlt sich aus: Wir holen gemeinsam neue 5G-Anwendungen für unsere Kunden aus dem Labor in den Alltag.“

Markus Rolle, CFO von Telefónica Deutschland / O2

 

Gründer:innen und Start-ups wird hier die Möglichkeit geboten, neue 5G-Anwendungen für Verbraucher und die Industrie zu entwickeln. Zu den ersten Entwicklungspartnern zählt neben YBVR (Mobile Gaming) und Eyecandylab (interaktive Streaming-Inhalte mittels Augmented Reality) das Start-Up Haltian, das ein digitales Abbild eines Bürogebäudes – einen sogenannten digitalen Zwilling – für ein smartes Gebäudemanagement entwickelt hat. Dieser wird mittels IoT-Sensoren in Echtzeit mit aktuellen Daten wie Raumtemperatur, Luftqualität und Bewegung in den Räumen versorgt und kann diese auf einem Screen detailliert darstellen.

Ein weiteres Start-Up im 5G Tech Lab ist Unmanned Life mit seiner Autonomy-as-a-Service-Softwareplattform. Diese ist in der Lage, verschiedene Flotten von autonomen Drohnen und Robotern zu steuern – auch über große Entfernungen hinweg. Bei einer ersten Demo wurde beispielsweise ein simulierter Rettungseinsatz von Drohnen im Brüsseler R&D-Lab von Unmanned Life von München aus gesteuert. Die Plattform nutzt 5G, Künstliche Intelligenz (KI) und IoT (Internet of Things) für Industrie-4.0- und Smart-City-Anwendungen.