OpenRAN im Vergleich  (Quelle: Vodafone)

Eigentlich sollte es OpenRAN den großen Mobilfunk-Betreibern ermöglichen, sich am Markt mit interoperablen RAN-Komponenten versorgen zu können, die von unterschiedlichen Herstellern kommen. Doch Vodafone genügt dies offensichtlich nicht. Der Provider treibt die technische Entwicklung mit Partnern voran, um eigene OpenRAN-Bausteine für seine 5G-Netze zu entwickeln.

Während Huawei, Ericsson und Nokia mit spezialisierten Chips einen effizienten Betrieb von 5G-Basisstationen ermöglichen, setzen die Anbieter von OpenRAN-Komponenten fast ausschließlich auf Intels x86-Plattform. Die Chiptechnik aus dem PC- und Server-Bereich sei nicht für die Aufgaben eines Funknetzes angepasst und verbrauche daher unnötig viel Energie, so eine häufig geäußerte Kritik am OpenRAN-Konzept.

Dem will Vodafone nun entgegentreten. Im spanischen Málaga eröffnete das Unternehmen eine Forschungseinrichtung für Funktechnik, in dem die Chipentwicklung eine bedeutende Rolle spielt. 700 Mitarbeiter umfasst das Team, davon 50 in der Hardware-Entwicklung, 650 arbeiten an der passenden Software. Fokuspartner ist Intel, bisheriger Hauptlieferant für die Base-Stations von Vodafone. auch mit der x86-Standardplatttform habe Intel hier einen Entwicklungsvorsprung von drei Jahren, gibt Vodafone an.

Anzeige

x86, ARM und Risc-V

Doch in der spanischen Forschungseinrichtung sind auch weitere Chip-Entwickler präsent, die Hälfte davon aus Europa. Der Mobilfunkprovider gibt an, dass rund 20 Unternehmen involviert seien, darunter auch Qualcomm, Broadcom, ARM und Lime Microsystems. Santiago Tenorio, Direktor für Netzwerkarchitektur bei Vodafone, kündigte an, dass neben Intels x86-Plattform künftig auch ARM- und RISC-V-basierende Chips zum Einsatz kommen sollen.

Die Einrichtung in Málaga ist Teil eines größeren Entwicklungsnetzwerks in der Vodafone-Gruppe. Im britischen Newsbury betreibt sie ein „Open RAN Test and Integration Lab“, das bereits im April 2021 eröffnet wurde. Hier sollen OpenRAN-Plattformen getestet und ihre Interoperabilität validiert werden können. Vodafone will die Services des Testlabs auch Anbietern und Partnern anbieten, so dass die Einrichtung Teil eines sich entwickelnden OpenRan-Ökosystems wird.

Quelle: Vodafone

Quelle: Vodafone

„OpenRAN ermöglicht Mobilfunkbetreibern, schnell neue digitale Dienste hinzuzufügen und Netzwerke mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) zu optimieren. Das wird disruptive Innovationen zurück ins Netzwerk bringen!“

Santiago Tenorio, Direktor für Netzwerkarchitektur bei Vodafone

 

Darüber hinaus hatte der Mobilfunk-Provider bereits im vergangenen Sommer angekündigt, auch in Deutschland einen „Skill Hub“ mit 200 Mitarbeitern zu etablieren. Neben OpenRAN sollen die Entwicklungseinrichtungen auch Lösungen in den Bereichen Cybersecurity und Mobile Private Networks (sogenannte Campus-Netzwerke) liefern.

Breites Ökosystem für OpenRAN

Zugleich mit dieser Ankündigung benannte Vodafone eine Reihe von Partnern, die beim Aufbau von OpenRAN-Lösungen helfen sollen. Dazu zählen Dell Technologies, NEC, Samsung, Wind River, Capgemini Engineering und Keysight Technologies.

Inzwischen sind weitere Partner hinzugekommen. Gemeinsam mit Juniper Networks und Parallel Wireless wurde ein Multi-Anbieter-RAN Intelligent Controller (RIC) entwickelt, der OpenRAN-Schnittstellen und Cloud-native OpenRAN-Funktionen unterstützt. So könne das Ressourcenmanagement automatisiert und optimiert werden. Darüber hinaus biete die Lösung Zusatzfunktionen wie mandantenfähige Zugänge, Priorisierungen für geschäftskritischen Datenverkehr und Echtzeit-Verfolgung. Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona wird die Lösung im Rahmen des Messeauftritts von Parallel Wireless in Halle 5, Stand 5C61, präsentiert.