Huawei baut 5G-Netze in aller Welt – doch das ist einigen ein Dorn im Auge. (Bild: Huawei)

Trump und die US-Regierung haben nicht nur weltweit Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit des chinesischen Netzwerk-Herstellers gesät. Mit einem Handels-Embargo soll er von wichtigen Zulieferern abgeschnitten werden, Verbündete der USA werden genötigt, sich der Trump-Linie anzuschließen. Nun macht Huawei-CEO Ren Zhengfei einen unerwarteten Schritt, um dieser Falle zu entkommen.

Technologisch gesehen bekommt Huawei Bestnoten. Die 5G-Netzwerktechnik des chinesischen Herstellers gilt weltweit als führend. Doch kann man einem Unternehmen trauen, das per Gesetz der chinesischen Regierung verpflichtet ist? Für den amerikanischen Präsidenten Donald Trump ist diese Frage klar entschieden: Der chinesische Technologiekonzern ist staatlich gesteuert und darf seine Produkte nicht in Netzwerken einsetzen, die geheime Informationen transportieren – weder in den USA, noch bei deren Verbündeten.

In den USA hat dies bereits zu Konsequenzen geführt: Wie zuvor bei ZTE stehen nun auch Huawei und seine Tochter-Unternehmen auf einer „schwarzen Liste“ von Firmen, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern streng kontrolliert werden. Eine der augenfälligsten Konsequenzen war die Ankündigung von Google, dem Konzern, der auch Smartphones entwickelt, künftig die Lizenz für das Betriebssystem Android zu entziehen. Doch auch der Zugang zu westlicher Mikroelektronik könnte dem Technologiekonzern bald verwehrt werden. Zwar entwickelt Huawei auch eigene Chips, beispielsweise für 5G-Smartphones und -Router, doch ist das Unternehmen noch lange nicht autark.

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In Australien verbannt, in Europa umstritten

Schon vor einem Jahr hatte Australien entschieden, sich den Bedenken der US-Regierung anzuschließen. Mit Verweis auf nationale Sicherheitsrisiken hatte die Regierung in Canberra eine Beteiligung von Huawei am Ausbau der 5G-Netze untersagt. Wenige Monate später erteilte der neuseeländische Geheimdienst ebenfalls ein Verbot für die Telekom-Anbieter des australischen Nachbarn – mit gleichlautender Begründung.

In Deutschland wird gerade die Änderung des Paragrafen 109 des Telekommunikationsgesetzes vorbereitet. Bundesnetzagentur (BNetzA) und Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erarbeiten einen Katalog systemkritischer Kernkomponenten der Netzinfrastruktur, die dann verpflichtend eine BSI-Zertifizierung benötigen, bevor sie in Deutschland eingesetzt werden dürfen. Huawei würde also nicht mit einem Verbot belegt, müsste aber diverse Technologiedetails offenlegen, damit sichergestellt ist, dass es beispielsweise keine verborgenen Hintertüren („Back doors“) oder die Möglichkeit zur Abschaltung von außen („Kill switch“) gibt. Gleiches würde allerdings ebenso für alle anderen Anbieter gelten. Ähnliche Entwicklungen gibt es in anderen europäischen Staaten.

Entlastung von britischem Ex-Spion

Huawei hatte tatsächlich schon mehrfach angeboten, seine Produkte prüfen zu lassen. In Europa betreibt der Technologiekonzern mehrere Sicherheitslabore, unter anderem in Großbritannien. Dort kooperiert Huawei mit dem Geheimdienst GCHQ und gewährt dessen National Cyber Security Centre (NCSC) vollständigen Einblick in seine Quellcodes.

Ein ehemaliger GCHQ-Chef, Robert Hannigan, war den Chinesen sogar beigestanden und hatte öffentlich erklärt, dass das NCSC in seinen langjährigen Untersuchen niemals Beweise für Cyberspionage durch Huawei gefunden habe. Angriffe aus China, die es gegeben habe, basierten nicht auf Manipulationen von Huawei-Technik. Pauschale Sicherheitsverbote auf der Grundlage von nationalen Firmenflaggen nannte Hannigan ineffizient.

Radikales Angebot aus Shenzhen

Diese Fürsprache allein wird jedoch nicht ausreichen, um das Ansehen des chinesischen Herstellers wiederherzustellen. Huawei-Gründer und -CEO Ren Zhengfei hat sich deshalb entschieden, ein radikales Angebot zu machen: Er ist bereit gegen eine einmalige Gebühr die 5G-Technologie seines Unternehmens zu lizenzieren – mit allen Konsequenzen, so Ren im Interview mit The Economist. Der Lizenznehmer bekomme unbefristeten Zugriff auf 5G-Patente, Lizenzen, Codes, technische Entwürfe und sogar das Produktions-Know-how. Zudem sei der Lizenznehmer berechtigt, eigenständige Modifikationen am Quellcode vorzunehmen.

Sein Angebot verlangt aber nicht nur eine finanzielle Gegenleistung. Die USA müssten ihren Feldzug gegen Huawei einstellen und das Unternehmen als normalen Marktteilnehmer akzeptieren, betonte er in einem weiteren Interview mit der New York Times.

Ren Zhengfei, CEO und Gründer von Huawei (Bild: Huawei)

Ren Zhengfei, CEO und Gründer von Huawei (Bild: Huawei)

Ausdrücklich formulierte Ren das Ziel, auf diesem Weg einen Konkurrenten für sein Unternehmen zu schaffen, der mit Huawei auf dem Gebiet von 5G mithalten kann. Huawei selbst wolle seine Verträge erfüllen und auch weiterhin 5G-Technologie anbieten. Der Lizenznehmer solle demgegenüber ein Gegengewicht im Wettbewerb schaffen und ein vertrauensvoller Lieferant für diejenigen sein, die einem Lieferanten aus China weiterhin misstrauen und darüber in Sorge sind, dass dieser die Ausrüstung für zahlreiche Netzwerke in aller Welt liefert.

„Wir sind offen für den Austausch unserer 5G-Technologien und -Techniken mit US-Unternehmen, damit diese ihre eigene 5G-Branche aufbauen können. Dies würde eine ausgewogene Situation zwischen China, den USA und Europa schaffen“, so das Angebot von Ren im Gespräch mit NY Times.

Gegenläufige Interessen

Der Huawei-Gründer ist sich bewusst, dass die Sicherheitsbedenken der USA nur ein Teil der Wahrheit sind. Der andere Teil ist die Angst davor, dass der chinesische Technologiekonzern eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Genau diese Angst adressiert Ren mit seinem Angebot.

In der Vergangenheit hatte er jedoch auch zu Befürchtungen dieser Art beigetragen. Denn Bestrebungen, bestimmte Netzwerkkomponenten soweit zu standardisieren, dass sie untereinander austauschbar sind, hatte sich Huawei stets verweigert. Ein Lizenznehmer, der die Technik eigenständig weiterentwickeln darf, könnte sich dagegen dem OpenRAN-Gremium anschließen.

Wer soll das bezahlen?

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob die chinesische Regierung solch einen weitreichenden Schritt überhaupt akzeptieren würde oder womöglich ein Veto einlegt. Falls nicht, ist die Frage, wer überhaupt in der Lage wäre, auf das Angebot des Firmengründers einzugehen, der den Verkaufswert seines 5G-Portfolios auf zig Milliarden US-Dollar schätzt.

The Economist konstatiert, dass Nokia und Ericsson nicht solvent genug seien, wohl aber Samsung – und ohne eine konkurrierenden Bieter könnten die Südkoreaner hart verhandeln. Ansonsten bliebe allenfalls noch ein Käufer-Konsortium, auch wenn unklar sei, wie sich eine solche Interessentengruppe zusammensetzen könnte.

Schaut man in die USA, wäre durchaus denkbar, dass Cisco, flankiert von IT-Konzernen wie HP oder reinen Finanzinvestoren, in diesen Markt einsteigt. Die hätten aber eine doppelt schwierige Aufgabe vor sich: Sie müssten zum einen die eigene Regierung davon überzeugen, die Sanktionen gegen Huawei zurückzunehmen. Und auf der anderen Seite beim Lizenzgeber um Vertrauen werben, dass einer dementsprechenden Vereinbarung nicht das gleiche Schicksal droht wie dem Atom-Abkommen mit dem Iran.