Vernetzte Produktionsanlagen, Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen oder intelligente Roboter halten weiter Einzug. (Bild: Gerd Altmann/Pixabay)

Schon heute nutzen 6 von 10 Betrieben Industrie 4.0-Anwendungen. Die Corona-Pandemie könnte darüber hinaus laut aktueller Bitkom-Studie in den kommenden Monaten für einen anhaltenden Digitalisierungsschub sorgen.

95 Prozent der Industrieunternehmen mit 100 oder mehr Beschäftigten bestätigen, dass im Zuge der Corona-Pandemie die Digitalisierung in ihrem Unternehmen an Bedeutung gewonnen haben. Industrie 4.0 ist inzwischen für alle größeren Industrieunternehmen ein Thema.

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Fast zwei Drittel der Unternehmen (62 Prozent) setzen bereits spezielle Anwendungen wie vernetzte Produktionsanlagen, Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen oder intelligente Roboter ein. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (59 Prozent). Vor drei Jahren lag der Anteil gerade einmal bei 49 Prozent. Jedes Fünfte (21 Prozent) plant aktuell die Industrie 4.0-Nutzung. Weitere 16 Prozent unternehmen noch keine konkreten Schritte, können sich das aber für die Zukunft vorstellen. Erstmals gibt kein größeres Industrieunternehmen mehr an, dass Industrie 4.0 kein Thema ist.

 

IoT-Plattformen und 5G für die vernetzte Produktion

Aktuell nutzen 4 von 10 Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern IoT-Plattformen, mit denen Daten von Geräten, Maschinen und Anlagen an zentraler Stelle zusammengeführt und ausgewertet werden können. Jedes Dritte (32 Prozent) plant die künftige Nutzung. Nur für knapp jedes Fünfte (19 Prozent) sind IoT-Plattformen derzeit kein Thema. „IoT-Plattformen legen das Fundament für digitale Mehrwertdienste. Mit ihnen werden physische Produkte um weitere Funktionen angereichert und ermöglichen so zum Beispiel vorausschauende Wartung“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Herausragende Bedeutung komme dem neuen Mobilfunkstandard 5G für die vernetzte Produktion zu: Inzwischen halten 85 Prozent der Industrieunternehmen die Verfügbarkeit von 5G für wichtig für das eigene Unternehmen, vor einem Jahr waren es erst 72 Prozent. Umgekehrt hat sich der Anteil der Unternehmen, die 5G für unwichtig halten, von 26 auf 13 Prozent halbiert.

Noch kaum Vorreiter am Horizont

Unternehmen, die bereits Industrie 4.0-Anwendungen einsetzen oder dies planen, haben ihre Aktivitäten in der Corona-Krise tendenziell verstärkt. 18 Prozent haben in der Zeit ihre Investitionen in Industrie 4.0 deutlich und weitere 24 Prozent etwas erhöht. Nur 14 Prozent haben die Ausgaben etwas gesenkt. Gerade einmal 9 Prozent deutlich. In jedem dritten Unternehmen (32 Prozent) hat sich nichts geändert.

95 Prozent sehen in Industrie 4.0 eine Chance für das eigene Unternehmen, nur 4 Prozent halten sie für ein Risiko. Die entsprechenden Möglichkeiten werden allerdings noch lange nicht ausgeschöpft: Nicht einmal jeder dritte Industriebetrieb in Deutschland (31 Prozent) sieht sich aktuell als Vorreiter bei Industrie 4.0. Mehr als jeder Zweite (54 Prozent) bezeichnet sich dagegen als Nachzügler. Jeder Neunte (11 Prozent) meint sogar, den Anschluss verpasst zu haben. „Digitalisierung entwickelt sich auch in der Produktion exponentiell. Das heißt, wer später anfängt, muss sich umso mehr anstrengen“, sagt Rohleder.

Datenschutz und IT-Sicherheit als Hemmnis

Die Unternehmen erleben aktuell eine Vielzahl von Hemmnissen, die den Einsatz von Industrie 4.0-Anwendungen erschweren. So würden 77 Prozent gerne mehr investieren und klagen über fehlende finanzielle Mittel. 61 Prozent fühlen sich durch Datenschutz-Anforderungen behindert. 57 Prozent von Anforderungen an die IT-Sicherheit.

In jedem zweiten Unternehmen (55 Prozent) fehlt es an Fachkräften. Ähnlich viele (52 Prozent) fühlen sich durch die Komplexität des Themas überfordert. 48 Prozent bemängeln die Störanfälligkeit der Systeme. 29 Prozent fehlt es am Austausch mit anderen Unternehmen und jedes vierte Unternehmen (25 Prozent) hat nicht genügend Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Nur eine geringe Rolle spielen demgegenüber ein Mangel an externer Beratung (14 Prozent), fehlendes Wissen über Best-Practice-Lösungen (12 Prozent), fehlende Standards (11 Prozent) oder eine zu geringe Verfügbarkeit von marktfähigen Lösungen (10 Prozent). Gerade einmal 9 Prozent beklagen eine zu geringe Akzeptanz in der Belegschaft. Überhaupt kein Hinderungsgrund um Industrie 4.0-Anwendungen einsetzen zu können sind ein zu geringer Automatisierungsgrad im eigenen Unternehmen oder eine Unsicherheit über den wirtschaftlichen Nutzen.

Für die repräsentativen Studie zur Digitalisierung der deutschen Industrie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, wurden 551 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten im Februar und März 2021 befragt. Hier geht es zur offiziellen Präsentation der Studie.