Ericsson wurde von Gartner als führender Anbieter für 5G-Technik eingestuft (Bild: Ericsson)

Die Marktforscher von Gartner haben zehn Anbieter von 5G-Netzinfrastruktur verglichen. Neben Ericsson schafften es nur zwei weitere in den Leader-Quadrant. Die Einstufungen des Reports basieren auf einer intensiven Analyse von Stärken und Schwächen der Anbieter.

Wie unterscheiden sich die Anbieter von 5G-Infrastruktur für Netzwerk-Provider (Communications Service Provider, CSP)? Wer bietet die fortschrittlichsten Lösungen, wie bewerten die Kunden die Services, und wie sieht es mit der Entwicklungsgeschwindigkeit aus? Die Marktforscher von Gartner geben die Antworten in ihrem jüngsten Report „Magic Quadrant for 5G Network Infrastructure for Communications Service Providers“.

Klar definierte Marktabgrenzung

Zehn Lieferanten von 5G-Infrastruktur haben es in die Auswertung geschafft:

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  • Cisco
  • Ericsson
  • FibreHome Telecommunications Technologies
  • Fujitsu
  • Huawei
  • Mavenir
  • NEC
  • Nokia
  • Samsung
  • ZTE

Die Marktforscher bezogen allerdings nur CSP-taugliche Lösungen mit ein, Lösungen für private und lokale Netze, wie etwa Campus-Netzwerke, blieben bei dieser Betrachtung außen vor.

Als Elemente der betrachteten Infrastruktur-Lösungen nennt Gartner das RAN-Equipment, darunter Antennentechnik (Radio Units, RU) und Base Band Units (BBU), daneben den Netzkern (Core Network) und Evolved Packet Core (EPC), ebenso das Transport Network Equipment sowie Network Infrastructure Services.

Marktführer, Visionäre und Nischenanbieter

Ericsson, Huawei und Nokia sind die einzigen Anbieter waren, die den Status „Marktführer“ erreichten. Samsung, ZTE und NEC sind als „Visionäre“ eingestuft, und Cisco, Fujitsu, Mavenir sowie FiberHome Telecommunication Technologies gelten laut Gartner als „Nischenanbieter“.

(Bild: Gartner)

(Bild: Gartner)

Grundlage der Einstufung in die entsprechenden Quadranten bildeten die beiden Faktoren „Vollständigkeit der Vision“ und „Fähigkeit zur Umsetzung“. Ersterem lagen detailliertere Merkmale zugrunde, etwa wie sie es IT-Anbietern ermöglichen, wettbewerbsfähig, effizient und effektiv zu sein und sich positiv auf den Umsatz, die Kundenbindung und die Reputation innerhalb der Marktsicht von Gartner auswirken. Die Bewertung der Umsetzungsfähigkeit beruhte auf dem Umfang des Portfolios und den Dienstleistungen des jeweiligen Anbieters.

Sieht man sich beispielsweise den Leader-Quadranten an, führt Ericsson deutlich in Sachen Umsetzungsfähigkeit, muss sich bei der Vollständigkeit der Vision aber knapp der hier führenden Huawei geschlagen geben. Nokia liegt bei der Umsetzungsfähigkeit etwa gleichauf mit dem chinesischen Anbieter, fällt jedoch noch etwas zurück in Sachen Vollständigkeit der Visison.

Ericsson bei Umsetzungsfähigkeit vorne

Gartner sprach Ericsson eine Führungsrolle bei der 5G-Technik zu, unter anderem aufgrund der Verbesserungen beim Dynamic Spectrum Sharing (DSS) und der Uplink Booster-Technologie, die zu seinem „First-Mover-Vorteil“ beitrugen. Die Marktforscher wiesen zudem darauf hin, dass RAN-Equipment von Ericsson aus dem Jahr 2015 per Software-Update auf 5G New Radio (NR) aufgerüstet werden kann. Dies sei ein klares Unterscheidungsmerkmal, das es Kunden ermögliche, 5G-Netzwerke früher als die Konkurrenz bereitzustellen.

(Bild: Ericsson)

(Bild: Ericsson)

„Von der Forschung bis zum Rollout haben wir stark in 5G investiert, um sicherzustellen, dass wir die besten Produkte, Fähigkeiten und Außendienstmitarbeiter haben, um die Anforderungen unserer Kunden zu erfüllen. Wir glauben, dass die Anerkennung als Leader im Magic Quadrant von Gartner unsere Technologieführerschaft, unsere Wettbewerbsfähigkeit im Markt, unsere Entschlossenheit zur Innovation und unser Engagement für unsere Kunden widerspiegelt.“

Fredrik Jejdling, Executive Vice President und Head of Networks, Ericsson

 

Doch der Report benennt nicht nur Licht, sondern auch die Schattenseiten im jeweiligen Angebot. Im Falle Ericssons führt Gartner hier unter anderem das engere Portfolio an Radio Units auf sowie die langsamere Umsetzung weiterer Features. Zugleich bemängelten die Marktforscher mangelnde Flexibilität – einige CSPs waren daher gezwungen, ihre Roadmaps und die Bereitstellungsprioritäten dem Funktionsangebot von Ericsson anzupassen.

Die Einschätzung der Verfolger Huawei…

Die seit 2009 anhaltend starken Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie der führende Beitrag zu 5G-Basispatenten schlägt sich ebenso positiv auf die Huawei-Einstufung nieder wie die große Skalierbarkeit und Breite in seinem 5G-bezogenen Portfolio.

Auf der Negativseite stehen in erster Linie die anhaltenden Spannungen zwischen China und den USA. Dies belastet das Neugeschäft, da in einigen Regionen der chinesische Anbieter komplett ausgeschlossen ist oder politisch umstritten ist, ob Huawei-Technik uneingeschränkt zulässig sein soll. Die die Gartner-Experten warnen ebenso vor möglichen Engpässen bei der Versorgung mit Chips aufgrund des US-Embargos, die sich auf die Lieferfähigkeit auswirken könnten. Auf Seiten der Entwicklung wurde das mangelnde Interesse Huaweis an virtualisiertem und Open RAN als Einschränkung der Gesamtstrategie vermerkt.

…und Nokia

Nokia nimmt neben Ericsson eine führende Rolle bei der Unterzeichnung von Handelsverträgen ein. Mit dem Engagement für virtualisiertes Ran (vRAN), Cloud RAN und Open RAN sei es den Finnen gelungen, sich positiv von anderen etablierten Lieferanten von RAN-Infrastruktur abzusetzen, loben die Marktanalysten. Auch sei Nokia führend bei privaten LTE- und 5G-Netzen.

In dem Report werden jedoch auch konkrete Schwächen thematisiert. So gebe es Verzögerungen in der Weiterentwicklung des ReefShark-Chipsatzes. Zwar sei Nokia inzwischen Partnerschaften mit Broadcom, Intel und Marvell eingegangen, um dieses Problem zu lösen. Dennoch sollten CSPs im Fall der Nokia-Lösungen ein auf Auge auf Entwicklung, Bereitstellung und Produktintegration von Chipsätzen haben, empfiehlt Gartner. Die anfänglich eingesetzten Field-Programmable Gate Arrays (FPGA) seien teuer gewesen und hätten eine geringere Leistung gebracht.

Bedenklich sehen die Marktanalysten auch die Entwicklung in entwickelten Märkten wie China und den USA: Beim Übergang von LTE auf 5G hätten die Finnen bei einigen CSPs Marktanteile verloren, was deren Möglichkeit zu Produktverbesserungen und der Geschäftsrentabilität aus frühen 5G-Investitionen einschränken könnte.

Auch zu den weiteren Anbietern finden sich detaillierte Aussagen zu Chancen und Risiken. Kostenlosen Zugriff auf den gesamten Report „Magic Quadrant for 5G Network Infrastructure for Communications Service Providers“ erhalten Sie über diese Ericsson-Website.