Fünfte Woche – Einigung in Sicht? Schon jetzt ist die Auktion teurer als erwartet.  (Bilder: Pixabay / GDJ, geralt; Komposition: H. Jacob)

Preissteigerungen in Trippelschritten, Neidfaktor und Nervenkrieg: Die aktuelle Versteigerung von Mobilfunk-Frequenzen in Deutschland geht immer weiter. Bleiben Sie auf dem Laufenden!

An dieser Stelle finden Sie täglich neu die Updates der fünften Auktionswoche.

Update 17.04.2019: Und täglich grüßt das Murmeltier

Der größte Teil des Tages verlief genau wie der vorherige: Die Telekom testete ab Runde 211 der Reihe nach, ob nicht einer der Wettbewerber doch noch bereits ist, auf einen Block zu verzichten. In der Regel gab es darauf eine direkte Reaktion, die den vorherigen Stand wiederherstellte. Erst in Runde 216 änderte sich dies: Telefónica bediente sich zunächst bei Vodafone, nach deren Retourkutsche war Drillisch das nächste Ziel.

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Bei einem Stand von exakt 5.357.978.000 Euro war nicht nur der Tag, sondern auch die Bieterwoche schon beendet: Die Bieterteams gönnen sich ein wenig Osterferien. Am Donnerstag wird nicht mehr geboten, an den Feiertagen Karfreitag und Ostermontag sowieso nicht. Abweichend vom üblichen Ablaufplan geht es am Dienstag, 23. April, nicht wie gewohnt um 8:00 Uhr los, sondern erst um 13:00 Uhr.

Auch wir wünschen unseren Lesern schon einmal frohe Ostern!

Update 16.04.2019: 3 Milliarden Euro für nichts verpulvert

Nachdem gestern der Streit um den letzten Block hauptsächlich zwischen Vodafone und Telefónica ausgetragen wurde, startete die O2-Mutter heute morgen mit einem Schachzug und holte sich in der ersten Runde des Tages Ersatz nicht erneut bei Vodafone, sondern bei der Telekom. Offensichtlich ist man bei Telefónica der Meinung, dass diese nachgeben sollte. Bei der Telekom ist man aber noch nicht gewillt zurückzustecken, sondern findet, dass Drillisch Verzicht üben sollte. Aber auch der Newcomer ist dazu nicht bereit. So spielten die beiden über vier Runden Ping-Pong. Nach der Mittagspause war dann mal wieder Telefónica an der Reihe, danach auch noch Vodafone und schließlich erneut Drillisch.

Doch stets gab es umgehend eine Gegenreaktion, so dass der Stand seit der ersten Runde unverändert ist – mal abgesehen von den weiter steigenden Preisen. Die legten im Verlauf des heutigen Tages wieder um 22,5 Millionen Euro auf über 5,34 Milliarden zu, obwohl pro Runde nur jeweils ein Block gehandelt wurde. Diese Entwicklung bringt inzwischen sogar die Politik auf den Plan. Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, sieht das Wettbieten kritisch, da er höhere 5G-Tarife und Verzögerungen beim 5G-Flächenausbau befürchtet.

Nachdem nun die Telekom im Zentrum der Aktivitäten steht, muss sie den Hauptteil der Verteuerungen tragen. Allein heute stieg für sie der Durchschnittspreis der abstrakten 3,6-GHz-Blöcke um 1,61 Millionen Euro. Bei den drei anderen Bietern waren es in Summe nur 1,46 Millionen, davon entfielen auf Drillisch gut 1 Million Euro, auf Vodafone und Telefónica jeweils um die 220.000 Euro.

Als Großeigner mit knapp 32 Prozent der ausgegebenen Aktion könnte der Bund dem zumindest theoretisch ein Ende bereiten. Praktisch würde Regierungssprecher Steffen Seibert eine solche Forderung als Einmischung der Regierung in die operativen Geschäfte des Telekom-Konzerns in der Öffentlichkeit sicher empört zurückweisen. Das steht aber doch andererseits einem unverbindlichen Meinungsaustausch von Bundeskanzlerin Angela Merkel oder dem Datenautobahn-Beauftragten, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, mit dem Telekom-Management über Wünsche und Perspektiven in Bezug auf die laufende Frequenzauktion nicht entgegen.

Letztendlich bleibt im Moment nur abzuwarten, wann die Telekom oder einer der anderen Auktionsteilnehmer bereit ist Verzicht zu üben und damit das Ende des Verfahrens herbeizuführen, anstatt weiter sinnlos Geld in strategischen Spielchen zu verpulvern. Denn der Stand von heute Abend war bereits in Runde 110, am 2. April 2019, erstmals erreicht. Damals hatte es schon einmal nach einem baldigen Ende der Auktion ausgesehen, denn es wurde nur noch ein einziger Block gehandelt. Exakt 100 Runden später sind die Kontrahenten immer noch nicht weiter, aber ziemlich genau 3 Milliarden Euro ärmer…

Update 15.04.2019: Wer muss verzichten – Telefónica, Vodafone oder Telekom?

Noch in der vergangenen Woche erweckte die Telekom den Eindruck, dass 120 MHz Bandbreite genug sein könnten. Doch das gilt anscheinend nicht mehr in dieser Woche: Als erste Maßnahme holte sich der Provider in Runde 190 einen Block von Vodafone. Dort strebt man inzwischen auch nach mehr und bediente sich seinerseits bei Telefónica.

Die O2-Mutter hatte offenbar genug von den Scharmützeln der letzten Tage und übte in Runde 191 nicht Revanche, sondern übernahm den etwas teureren vakanten Block, für den Vodafone bislang noch eine Zahlungsverpflichtung über 108,5 Millionen Euro zu tragen hatte. Was vielleicht als Entgegenkommen gemeint war, wurde in der Folge jedoch nicht gedankt.

Bei Vodafone suchte man Ersatz für den an die Telekom verlorenen Block und griff zunächst bei Drillisch zu, wo man sich das nicht gefallen ließ. In den folgenden Runden richteten sich die Angriffe wiederum gegen Telefónica, mit entsprechenden Gegenreaktionen.

Telefónica hatte bereits früh klargemacht, dass 90 MHz Bandbreite das Ziel sind, ebenso wie Drillisch bei 80 MHz. Angesichts der 420 MHz, die insgesamt zur Verfügung stehen, bleiben dann nur noch 120 MHz für den einen, 130 MHz für den anderen Wettbewerber. Man hätte meinen können, dass der nur eingeschränkt nutzbare 20-MHz-Block, den Vodafone hält, in der Bewertung der Strategen ein ähnliches Gewicht hat wie ein normaler 10-MHz-Block im 3,6-GHz-Band. Darüber hinaus ist einer der vier Blöcke, die Vodafone im 2-GHz-Band hält, erst ab 2026 verfügbar, während die Telekom auf alle Blöcke bereits ab 2021 zugreifen kann. Insofern müsste letztere sich mit einer nominal geringeren Bandbreite durchaus nicht als „Verlierer“ im Wettbewerbsvergleich fühlen.

Aber offensichtlich bestehen Vodafone und Telekom derzeit beide auf 130 MHz. Dort ist man anscheinend der Meinung, dass auch die beiden „kleinen“ Wettbewerber ebenso paritätisch mit jeweils 80 MHz zufrieden sein können – so der Stand in Runde 199, der letzten des Tages. Oder alternativ mit einer Aufteilung 90/70. Doch Telefónica macht bislang keine Anstalten, sich einschränken zu lassen.

Nun stellt sich also die Frage: Wer muss verzichten? Drillisch kann als Newcomer, der sein Netz erst noch aufbauen muss, auf keinen Fall weiter zurückstecken. Entweder muss sich die O2-Mutter bescheiden, oder Vodafone versucht, die Telekom zu drücken – ansonsten bliebe nur noch, sich selbst mit 120 MHz zufrieden zu geben. Wie lange die Auktion, die sich nun schon seit Freitagnachmittag nur um einen einzigen Block dreht, noch weitergeht, hängt also einzig und allein davon ab, wer zuerst nachgibt.

Die Gesamtgebote lagen am Ende des Tages bei knapp 5,32 Milliarden Euro, das sind rund 24,4 Millionen Euro mehr als Ende vergangener Woche.

Weitere Infos zur Frequenzauktion:

Hier finden Sie die Updates der vierten Woche.

Hier finden Sie die Updates der dritten Woche.

Hier finden Sie die Updates der ersten und zweite Woche sowie grundsätzliche Informationen zur Auktion.