In der zehnten Woche der Versteigerung ist die 6-Milliarden-Euro-Grenze gefallen – doch die Auktion geht ungebremst in Woche 11  (Bilder: Pixabay / GDJ, geralt; Komposition: H. Jacob)

Die Frequenzversteigerung hängt seit Wochen in einer einem nervenaufreibendem Stellungskrieg fest. Wann kommt der erste Auktionsteilnehmer an die Grenze dessen, was unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit dem geplanten Geschäftsmodell vereinbar ist? Bleiben Sie auf dem Laufenden!

An dieser Stelle finden Sie täglich neu die Updates der zehnten und elften Auktionswoche.

Update 29.05.2019: Drillisch erkauft sich 20 Runden Ruhe

Wie bereits gestern hat Drillisch auch heute wieder Blöcke verloren und sich diese mit einem Aufschlag von 1 Million Euro auf das Mindestgebot zurückgesteigert, zuletzt in der heutigen Schlussrunde 441. Damit sind nun alle fünf abstrakten 3,6-GHz-Blöcke des Newcomers so teuer, dass sie bei dem langwierigen 1-Block-Poker erst mal außen vor bleiben. Allerdings nicht allzulange: Halten die drei Provider an der bisherigen Strategie fest, dann wird in Runde 462 erneut einer der Drillisch-Blöcke vorübergehend den Besitzer wechseln.

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Die gestrigen Einlassungen des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, zeigten keinerlei Auswirkungen auf das heutige Bieterverhalten. Angesichts des Feiertages morgen ging die Auktion heute bereits nach acht Runden zu Ende, bei einem Stand von knapp 6,1 Milliarden Euro, 24,8 Millionen mehr als am Vortag. Am Brückentag haben die Teilnehmer ebenfalls frei, fortgesetzt wird das Bieterverfahren am Montag, 3. Juni, um 8:00 Uhr.

Update 28.05.2019: Wollen Telekom & Co. einen Abbruch provozieren?

Nach wie vor gibt es keinerlei Anzeichen, dass dieser Nervenkrieg zu einem Ende kommen könnte. Womöglich geht es auch gar nicht um die Frage, welcher der Auktionsteilnehmer als erster nachgibt. Sondern ob die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde und Organisatorin angesichts des wochenlangen 1-Block-Pokers die Nerven verliert und interveniert. Das dies zumindest möglich ist legen Äußerungen des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, nahe, von denen Golem.de heute berichtet.

Dieser warnte Telekom & Co. davor, die Auktion zu diskreditieren, indem sie das Bieterverfahren einfach künstlich in die Länge ziehen. Wenn die Regulierungsbehörde jetzt eingreifen würde, wäre das das Ende der Auktion. Darauf würde von interessierter Seite nur gewartet, so der BNetzA-Chef. Dies darf man wohl so verstehen, dass die Aufsichtsbehörde eine Intervention strikt ablehnt. Man darf gespannt sein, ob die Ansage Homanns am kommenden Auktionsverlauf etwas ändert.

Nach rund 200 Runden hatten sich die Preise soweit angepasst, dass heute die von Drillisch gehaltenen abstrakten Blöcke erstmals wieder ins Geschehen einbezogen wurden. Anders als in Runde 227, in der Drillisch sich mit einem 20-Millionen-Aufschlag aus diesem Nervenkrieg verabschiedete, ging der Newcomer in seiner Reaktion nur geringfügig über das Mindestgebot hinaus: jeweils 1 Million auf die beiden zurückgesteigerten Blöcke des  heutigen Tages. Die Telekom hatte dagegen am vorigen Freitag auf „ihren“ konkreten Block nicht mehr geboten als nötig. Man kann daraus schließen, dass die Auktionsteilnehmer es zumindest für möglich halten, dass dieses Bieterverfahren jederzeit zu Ende geht und keine außergewöhnlichen Positionskämpfe mehr stattfinden.

Zehn Bieterrunden umfasste der heutige Auktionstag, der beim Stand von 6,07 Milliarden Euro zu Ende ging. Das waren 27,8 Millionen Euro mehr als gestern.

Update 27.05.2019: Business as usual

Heute hielten sich die Auktionsteilnehmer wieder streng an ihre übliche Strategie. Nach 10 Runden waren die Gesamtgebote um 25,6 Millionen Euro auf 6,047 Milliarden Euro angestiegen.

Update 24.05.2019: Telekom muss um konkreten Frequenzbereich kämpfen

Wie erwartet kam heute auch der konkrete Frequenzblock am oberen Ende des 3,6-GHz-Bandes unter den Hammer. Dieser garantiert dem Inhaber, dass die ersteigerten Frequenzen in direkter Nachbarschaft zum Campus-Netz-Spektrum (3,7-3,8 GHz) angesiedelt sind. Mehr als 230 Runden war dieser Block fest in der Hand der Telekom, denn diese hatte in Runde 178 auf das Mindestgebot noch einen erheblichen Betrag aufgeschlagen. Doch der Preisabstand war nun aufgezehrt, und so griff Telefónica in Runde 411 zu.

In der Folgerunde machte die Telekom diesen Wechsel rückgängig und wich damit zum ersten Mal von der zuletzt üblichen Strategie ab. Der Provider bot gezielt auf den konkreten Block und nicht auf den günstigsten. Mit 132,75 Millionen Euro ist er derzeit der teuerste im oberen Frequenzbereich.

Völlig außen vor ist bislang der konkrete Block am anderen Ende des Spektrums. Dieser grenzt an Frequenzen zur militärischen Nutzung und ist deshalb aufgrund von Abstandsvorschriften in manchen Regionen Deutschlands nur eingeschränkt nutzbar. Obwohl dieser Block mit 20 MHz Bandbreite mehr Spektrum bietet – alle anderen Blöcke der Auktion umfassen 10  MHz bzw. 2x5MHz –, liegt sein Preis mit 44,4 Millionen Euro deutlich unter dem nächstteureren Block, der Vodafone aktuell 127,75 Millionen Euro wert ist. Allerdings nur bis Montag, denn nach der bisherigen Bieterlogik wird dieser Block am kommenden Montag als erster den Besitzer wechseln.

Update 23.05.2019: Gebotssumme jetzt bei 6.000.994.000 Euro

Heute ist es also passiert: Die Gebote stehen in Runde 405 bei mehr als 6 Milliarden Euro. Allein 570 Millionen Euro kostete der „1-Block-Poker“, der sich nun bereits über 200 runden hinzieht. Die Telekom möchte 9, Vodafone 8, Telefónica 7 und Drillisch 6 Blöcke im 3,6-GHz-Band erwerben. Zusammen sind das 30 Blöcke – doch nur 29 stehen zur Verfügung. Seit Runde 192, rund fünf Wochen, bietet der gerade ins Hintertreffen geratene Teilnehmer auf den günstigsten abstrakten Block in diesem Frequenzbereich. Die Auktion geht so lange weiter, bis einer der Teilnehmer nachgibt und keine neuen Gebote mehr abgegeben werden. Doch bislang ist kein Ende absehbar.

Noch eine Grenze wurde heute überschritten: Die Telekom-Gebote summierten sich in Runde 402 erstmals auf über 2 Milliarden Euro. Doch es sieht nicht danach aus, als würde dies den Provider einschränken. Vodafone steht aktuell bei über 1,7 Milliarden Euro, Telefónica bei knapp 1,3 Milliarden und Drillisch bei 1,1 Milliarden, jeweils bei Erreichen der Wunschausstattung.

Eine weitere Auffälligkeit: Telekom und Vodafone besitzen inzwischen abstrakte 3,6-GHz-Blöcke, die teurer sind als der günstigste Block von Drillisch in diesem Frequenzband. Damit ist der 120-Millionen-Aufschlag, den Drillisch in Runde 226 investiert hatte, um dem mühsamen Streit um den letzten Block zu entgehen, langsam egalisiert. Dem Newcomer geht es jetzt ähnlich wie der Telekom mit dem konkreten Block, wie gestern berichtet. Im Laufe der nächsten Woche wird also auch der vierte Auktionsteilnehmer voraussichtlich wieder in den Bieterstreit hineingezogen. Ob Drillisch sich wohl noch einmal mit einem Millionenaufschlag aus der Affäre zieht?

Update 22.05.2019: Telekom-Position in Gefahr

An diesem Tag wird eine weitere Grenze überschritten: Zum ersten Mal seit Beginn des Pokers um den letzten abstrakten Block im 3,6-GHz-Spektrum übertrifft ein Gebot den Betrag für den konkreten Block am oberen Ende des Spektrums. In Runde 178 hatte der Rosa Riese seinen Anspruch mit einem Aufschlag von 25 Millionen Euro auf den üblichen Gebotspreis bekräftigt, seitdem blieb der Preis unverändert bei 127,6 Millionen Euro. Diesen Block zu besitzen bedeutet, dass die gesamte in diesem Band erzielte Bandbreite am oberen Ende des Spektrums, also bis 3,7 GHz, angesiedelt wird. Dieser Frequenzbereich grenzt unmittelbar an den für lokale und regionale Anwendungen, beispielsweise industrielle Campus-Netze. Dies bietet einen technischen Vorteil für Anwendungen, bei denen das öffentliche 5G-Netz mit einem privaten 5G-Campus-Netz verschränkt wird. Nachdem der bisherige Preisabstand aufgezehrt wird, gerät die Position der Telekom in Gefahr: Voraussichtlich in drei Tagen sind alle abstrakten Blöcke teurer – dann könnte einer der Wettbewerber dazu verleitet sein, den konkreten Block in das nervenaufreibende Geduldsspiel mit einzubeziehen.

In den 10 abgeschlossenen Runden des heutigen Tages erhöhte sich das Gesamtgebot auf 5,98 Milliarden Euro. Es lag damit fast genau 25 Millionen über dem Vortagsniveau.

Update 21.05.2019: Drillisch-Aktionäre stehen voll hinter der 5G-Strategie

Erneut gab es heute 10 Runden im 1-Block-Poker, der nun fast genau die Hälfte der Auktion bestimmt, die bereits mehr als zwei Monate andauert – länger als jede andere zuvor. Mit einem Plus von 24,7 Millionen Euro steigt die Summe der Gesamtgebote auf knapp 5,951 Milliarden Euro.

Auf der Hauptversammlung der 1&1 Drillisch AG war die 5G-Auktion heute ein zentrales Thema. Denn die Versammlung musste über eine Kürzung der Dividende abstimmen. Eine Reduktion von möglichen 1,80 Euro auf den gesetzlichen Mindestwert von 5 Cent, und das ausgerechnet im (nach eigenen Angaben) erfolgreichsten Jahr der Unternehmensgeschichte stand an. Als Begründung nennt Drillisch die noch nicht absehbaren Kosten für die Lizenzen und den anschließenden Aufbau eines 5G-Netzes.

Im Laufe der 5G-Auktion hatten die Drillisch-Aktionäre schon reichlich geblutet: Gegenüber dem 19. März, dem ersten Tag des Bieterwettstreits, hat sich der Aktienkurs um fast ein Viertel reduziert. Mit der Dividendenkürzung verzichten die Aktionäre darüber hinaus auf eine Ausschüttung von über 300 Millionen Euro. Doch fast alle der Anwesenden sind anscheinend überzeugt, dass dies eine gute Investition in das Unternehmen ist: die Zustimmungsquote für diesen Tagesordnungspunkt beträgt 99,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Noch ist allerdings nicht sicher, ob Drillisch bis zum Ende der Auktion dabeibleiben und erfolgreich um die Lizenzen mitbieten kann. Am Donnerstag steht die gleiche Diskussion erneut an: auf der Hauptversammlung der Drillisch-Mutter United Internet AG.

Update 20.05.2019: Zu früh gefreut – noch kein Ende der Auktion

Ups, da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens: Die dpa-Terminvorschau für Wirtschaft, Handel & Finanzen führt heute das Ende der 5G-Auktion auf. Doch das ist definitiv nicht passiert.

Stattdessen ging die Hängepartie wie gehabt weiter. Zehn Runden nach bewährtem Muster sorgten für einen Anstieg der Gebote um 24,5 Millionen Euro auf 5,926 Milliarden Euro.

 

Weitere Infos zur Frequenzauktion:

Hier finden Sie die Updates der neunten Woche.

Hier finden Sie die Updates der achten Woche.

Hier finden Sie die Updates der sechsten und siebten Woche.

Hier finden Sie die Updates der fünften Woche.

Hier finden Sie die Updates der vierten Woche.

Hier finden Sie die Updates der dritten Woche.

Hier finden Sie die Updates der ersten und zweite Woche sowie grundsätzliche Informationen zur Auktion.